Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Echse ohne Beine – Die Blindschleiche

     Eingetragen am Mai 18th, 2012 von spektivblick

BlindschleicheBei einem Frühlingsspaziergang schlängelt sich plötzlich ein etwa 50 Zentimeter langes, braunes in bronze bis kupfertönen glänzendes Wesen mit langgestrecktem Körper vor mir her. Im ersten Moment denke ich „Oh, eine Schlange!“, doch bei genauerer Betrachtung des Tieres, werde ich eines besseren belehrt:

Es handelt sich hierbei um eine Blindschleiche, eine Echsenart deren Vorfahren einmal Vierbeiner waren. Die Schleichen haben aber im Laufe ihrer Entwicklung ihre Beine stark bis ganz reduziert. Würde man eine Blindschleiche röntgen, könnte man die noch vorhandener Becken- und Schulterknochen an der Wirbelsäule feststellen. Anders als Schlangen haben Blindschleichen aber bewegliche und verschließbare Augenlider. Zum Züngeln müssen sie das Maul leicht öffnen, denn anders als Schlangen besitzen sie keine Lücke in der Oberlippe. Blindschleichen bewegen sich langsamer als Schlangen und ihr Schlängeln wirkt steif und weniger agil, denn ihnen fehlen die durchgehende Bauchschuppen mit dazugehörendem Muskelapparat, der es der Schlange erlaubt, sich in feinste Bodenunebenheiten zu verhaken und davon abzustoßen.

Dieses Missverständnis spiegelt sich sogar im wissenschaftlichen Gattungsnamen wieder, Angius fragilis. Angius bedeutet Schlange. Der zweite Teil ihres lateinischen Namens, fragilis, bedeutet zerbrechlich und deutet darauf, dass Blindschleichen leicht zerbrechliche Wesen sind. Ein unbedachter Griff und die mühelos zu fangenden Tiere brechen entzwei. Während sich das längere Ende hastig davonschlängelt, verbleibt das kürzere heftig zappelnd in der geschlossenen Hand. Mit diesem Trick gelingt es in Gefahr geratenen Blindschleichen oftmals, ihre Feinde zu verwirren und ihnen zu entkommen. Möglich wird dies durch mehrere Sollbruchstellen, die es den Tieren erlauben, den Schwanz abzuwerfen. Dieser wächst alsbald wieder nach; allerdings nur als verkürzter, kugeliger Stumpf.

Ein anderer weit verbreiteter Irrglaube ist, dass die Blindschleiche blind sei. Ihr Name wird jedoch auf das Althochdeutsche „Plintslîcho“ zurückgeführt, was so viel wie „blendender Schleicher“ bedeutet und sich auf das bronzefarbene Glänzen der glatten Schuppenhaut sowie die typische Fortbewegung bezieht.

Die Blindschleiche ist das häufigste heimische Reptil. Sie kommt sowohl in relativ kühlen Lebensräumen, als auch in sehr trockenwarmen Regionen vor. Man findet sie an Wegrändern und Bahndämmen, unter Hecken und Steinen, im Laub und im Komposthaufen. Das liegt an ihrer heimlichen Lebensweise. Denn die harmlose Echse hat ihren Feinden wenig entgegenzusetzen, sie beißt nicht einmal richtig. Stattdessen setzt sie auf Tarnung und ein Leben im Verborgenen. Tagsüber versteckt sie sich meist. Auf die Jagd geht sie in der Abenddämmerung und in den frühen Morgenstunden. Leibspeise der Blindschleiche sind Regenwürmer, Nacktschnecken und unbehaarte Raupen. Züngelnd nimmt sie Witterung auf, pirscht sich an ihr Opfer heran, packt es mit dem nach hinten gekrümmten Gebiss und verschluckt es im Ganzen.

Werden Blindschleichen jedoch von ihren vielen Freßfeinden verschont, können sie ein Alter von 50 Jahren erreichen.

Die schönen Augen der Frühlingsnacht

     Eingetragen am Mai 18th, 2012 von spektivblick

Die schönen Augen der Frühlingsnacht,
Sie schauen so tröstend nieder:
Hat dich die Liebe so kleinlich gemacht,
Die Liebe, sie hebt dich wieder.

Auf grüner Linde sitzt und singt
Die süße Philomele;
Wie mir das Lied zur Seele dringt,
So dehnt sich wieder die Seele.

Heinrich Heine (1797-1856)

Nach zwei Tagen Regen folgt Montag: Und andere rätselhafte Phänomene des Planeten Erde

     Eingetragen am Mai 18th, 2012 von spektivblick

Nach zwei Tagen Regen folgt Montag: Und andere rätselhafte Phänomene des Planeten ErdeWarum brummt die Erde leise eine Melodie?

Mächtige Felsen schieben sich durch die Wüste, doch selbst mithilfe moderner Messmethoden kann man nicht erklären, was sie antreibt. Immer wieder mal krachen Eisblöcke vom wolkenlosen Himmel, aber niemand weiß, weshalb dies geschieht. Der Planet Erde bietet so einige spannende Rätsel. Wann brechen die Vulkane in der Eifel aus? Warum liegen die Kontinente eher auf der Nordhalbkugel? Und wieso ist am Wochenende so oft schlechtes Wetter?

Axel Bojanowski, ein leidenschaftlicher Sammler geowissenschaftlicher Raritäten und unglaublicher Phänomene, hat die 30 erstaunlichsten in seinem Buch versammelt. Seine Stories handeln von gigantischen Wasserfällen im Atlantik, die sich Tausende Meter in die Tiefe stürzen, von riskanten Bohrungen ins Herz eines Supervulkans und vom wahren Klima Deutschlands. Präzise, unterhaltsam und verständlich erzählt er von den großen Themen der Geowissenschaften – mit wunderbarem Gespür für die schrägen Details.

Autor: Axel Bojanowski

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

Raben – gefiederte Schlaumeier

     Eingetragen am April 14th, 2012 von spektivblick

Corvus CoraxAls Todes und Unheilsbote war er verrufen. Sein Erscheinen galt als böses Omen. Flog er dreimal übers Dach würde jemand sterben. Sein krächzendes Rufen war die Stimme des Satans, der die Seele der Menschen rief. Er war ein fliegender Dämon. Wenn eine Rabenschar übers Feld flog, legten die Bauern ihre Arbeit nieder und gingen schleunigst nach Hause, denn was sie pflanzen oder ernten wollten, war für diesen Tag verdorben und verflucht. Er flog den Hexen voraus und brachte ihnen Nachrichten. Doch nicht nur zu früheren Zeiten, sondern auch heute noch sorgen ihr pechschwarzes Gefieder, ihre krächzenden Stimmen und ihr scharenhaftes Auftreten dafür, dass viele Menschen ein schlechtes Bild von ihnen haben. Dieses negative Image spiegelt sich auch in alltäglichen Redewendungen wie „rabenschwarz“, „Rabeneltern“ oder „Unglücksrabe“ wieder.

 

Doch Rabenvögel sind in Wirklichkeit hochintelligente, sehr gesellige und soziallebende Tiere: sie können Werkzeuge zum Nahrungserwerb nutzen, sind bemerkenswerte Flugkünstler und beherrschen neben ihren eigen Rufen auffallend viele „Fremdsprachen“. Raben gehören zwar zu den Singvögeln, singen aber nicht, können aber andere Tierstimmen verblüffend echt nachahmen. So kann man etwa Kolkraben hören die Hundegebäll, Schweinegrunzen oder Pferdewiehern nachahmen oder menschliche Laute wie Rülpsen oder Schnalzen. Damit täuschen sie andere Tiere. Auch führen sie sich untereinander gerne „am Schnabel herum“. Wenn es zum Beispiel um das Horten von Nahrung geht, legen sie Scheinverstecke an, um nicht von einem Nachbarn beraubt zu werden. Raben sind gar in der Lag ihre Artgenossen anzuschwindeln. Findet ein pfiffiger Rabe etwa ein Stück Aas, so gaukelt dieser seinen Artgenossen vor, dass dieses verdorben sei und er daran jämmerlich krepiere. Verlassen die abgeschreckten Artgenossen die Futterstelle, kommt es zu einer schlagartigen Spontanheilung des Verkösters und er macht sich munter weiter ans Fressen. Geht es aber wie bei den Dohlen oder Saatkrähen um das Wohl der gesamten Kolonie, halten die Vögel fest zusammen. Feinde werden gemeinsam vertrieben, Jungtiere oder kranke Vögel von der gesamten Sippschaft versorgt.

 

Nebel- und Rabenkrähen werfen Nüsse auf die Fahrbahn, um sie durch Autoreifen knacken zu lassen. Dabei nutzen manche sogar Kreuzungen mit Ampeln, um die Nüsse bequem in den Rotphasen aufsammeln zu können. Kolkraben sind die größten Singvögel der Welt. Sie sind mit einer Flügelspannweite von über 1,30 Meter sogar größer als der Mäusebussard. Ertönt ein Schuss im Wald, so fliehen alle Vögel, nur der Kolkrabe fliegt in Richtung der Schussquelle. Er hat gelernt, dass bei einem Schuss meist ein Jäger ein Tier erlegt hat und dies eine mögliche Futterquelle darstellt. Häufig sieht man sie auch als Begleiter von Wölfen oder anderen Raubtieren, um diesen dann, mit ihrer berüchtigten Frechheit, in Gruppen die erlegte Beute abzujagen. Elstern erkennen sich im Spiegel, was eine Voraussetzung für viele komplexe Denkvorgänge ist. Nur Menschenaffen und Hunde erreichen ebenfalls diese Stufe. Saatkrähen warfen in einem Experiment so lange Steine in ein Wasserglas, bis sie an einen sonst unerreichbaren Wurm gelangten. Dohlen, der Vogel des Jahres 2012, haben ein hochentwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben. Sie können die Ranghöhe jedes einzelnen Mitglieds ihrer Kolonie einschätzen. Tannenhäher legen tausende Verstecke mit Wintervorräten an, die sie selbst durch tiefe Schneedecken erfolgreich wieder ausgraben. Eine enorme Gedächtnisleistung. Eichelhäher lassen sich in Ameisenhaufen nieder, um sich mit ätzender Ameisensäure besprühen zu lassen. Ein effektives Mittel gegen Parasiten.

 

Im Londoner Tower lebt seit jeher eine Kolonie von Kolkraben. Ein Volksglaube besagt, dass das englische Empire untergehen würde, wenn die Tower-Raben nicht mehr das Gebäude beschützen. Auf Grund dessen werden die Raben gefüttert und sogar durch einen eigens dafür zuständigen „Ravenmaster“ beschützt.

 

Rabenvögel, Meisterwerke der Natur, kein Hexenwerk.

 Corvus_corax_head_profile

Vogelgerechte Nistkästen selbst gebaut

     Eingetragen am April 14th, 2012 von spektivblick

Nistkästen selbst gebautBaumhöhlen, alte Obstbäume, Schlupfwinkel in Scheunen – die Wohnungssuche für unsere gefiederten Freunde wird immer schwieriger, weil die natürlichen Nistmöglichkeiten rapide abnehmen. Hans-Werner Bastian zeigt in diesem praktischen Ratgeber, wie man Nistkästen selber bauen und sich so aktiv am Naturschutz beteiligen kann. Durch die leicht nachvollziehbaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist es auch für ungeübte Bastler nun kein Problem mehr, den Garten vogelgerechter zu gestalten.

 

Autor: Hans-Werner Bastian

 

Verlag: Franckh-Kosmos Verlag

Gestutzte Eiche

     Eingetragen am April 14th, 2012 von spektivblick

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!

Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt!

Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.

 

(Hermann Hesse 1877-1962)

 

Das Nachtpfauenauge

     Eingetragen am März 5th, 2012 von spektivblick

saturni_1tnDas Kleine Nachtpfauenauge ist mit einer Flügelspannweite von bis 8,5 Zentimeter einer der größte Nachtfalter unserer Gefilde. Der farbenprächtige Falter wurde jüngst zum Schmetterling des Jahres 2012 gewählt. Seinen Namen verdankt das Nachtpfauenauge seinen vier ausgeprägten augenähnlichen Flecken auf den Flügeln. Mit diesen Augenflecken können sie Feinde   abschrecken. Öffnet das Nachtpfauenauge schlagartig seine Flügel, schaut der verdutzte Fressfeind urplötzlich in riesige, furchteinflößende „Augen“ und ergreift die Flucht. Die Flügel der Männchen sind kontrastreich orange, weiß, schwarz und meist auch rosa gefärbt. Die Weibchen sind unauffälliger gräulich, aber deutlich größer als die Männchen.

 

Erwachsene Nachtpfauenaugen nehmen keine Nahrung auf, sie haben noch nicht mal funktionsfähige Mundwerkzeuge. Daher leben die Falter nach ihrem Schlüpfen auch nur wenige Tage, in denen sie sich fortpflanzen müssen. Um sich rasch zu finden, sendet das Weibchen spezielle Sexuallockstoffe aus, welche das Männchen mit seinen riesigen, antennenartigen Fühlern kilometerweit wahrnehmen kann. Die Männchen sind tagaktiv, im Gegensatz zu den nachtaktiven Weibchen. Da die Weibchen tagsüber nur sitzen und nicht davonfliegen, ist ihre Ortung nur eine Frage der Zeit.

 

Nur als Raupe nimmt das Nachtpfauenauge Nahrung auf und lebt als Falter von diesen Fettreserven. Die Entwicklung vom Ei bis zur Verpuppung der Raupe dauert etwa 10-12 Wochen. Vor der Verpuppung spinnen die Raupen einen sehr festen, braunen und eiförmigen Kokon. Am einen Ende ist eine Reuse aus starren Borsten hinter einer runden Öffnung platziert. Durch diese können Feinde nicht eindringen, die fertig entwickelten Falter aber leicht schlüpfen. Die Puppen überwintern bis zum folgenden Frühjahr. Einige Puppen benötigen auch zwei Winter bis zum Schlupf. Diese werden auch „überliegende“ Puppen genannt und sichern so raffinierterweise den Fortbestand der Art, falls einmal die gesamte Jahres-Population durch Krankheiten oder bei klimatisch sehr ungünstigen Bedingungen sterben sollte. Futterpflanzen des Kleinen Nachtpfauenauges sind etwa Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Schlehe und Wiesensalbei.
Das Kleine Nachtpfauenauge ist in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Sein Lebensraum sind naturnahe offene Landschaften oder verwilderte Gärten. Als Folge des fortschreitenden Landschaftsverbrauchs ist der Bestand des Kleinen Nachtpfauenauges in einigen Regionen Deutschlands jedoch stark zurückgegangen.

 

Das kleine Nachtpfauenauge hat auch noch eine große Schwester, dass Große Nachtpfauenauge, oder auch Wiener Nachtpfauenauge gennant. Dieser Falter erreicht gar eine Flügelspannweite von bis zu 160 Millimetern und ist somit der größte mitteleuropäischen Schmetterling. Er lebt jedoch nur in Südeuropa.

Je mehr Löcher, desto weniger Käse: Mathematik verblüffend einfach

     Eingetragen am März 5th, 2012 von spektivblick

news_buchkaese_Jeder hat ein Mathe-Ich! Mathematik spaltet die Menschen: Die einen lieben sie, die anderen stehen auf Kriegsfuß mit ihr. Dabei hat jeder von uns tief in sich eine Menge für Zahlen und Geometrie übrig. Nur weiß kaum jemand etwas davon. Selbst Affen, Raben und Pferde tun es, Ratten sowieso: rechnen. Und sie machen beim Jonglieren mit Zahlen ganz ähnliche Fehler wie wir Menschen. Vom angeborenen Zahlensinn über alternative Lernmethoden und verblüffend einfache Tricks hin zur Eleganz mathematischer Beweise schlägt Holger Dambeck den Bogen und liefert Einblicke in die faszinierende Welt der Mathematik, wie man sie sich von seinen Lehrern gewünscht hätte. Spielerisch, unterhaltsam und für jeden verständlich zeigt uns der Autor, was Mathematik wirklich ist: nicht stumpfes Büffeln, sondern kreatives Denken. Ein Buch, das Mathemuffeln Mut macht und allen Lesern die Augen öffnet. Scharfes Nachdenken macht großen Spaß – fangen Sie am besten gleich damit an!

Autor: Holger Dambeck

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Großer Vogel

     Eingetragen am März 5th, 2012 von spektivblick

Die Nachtigall ward eingefangen,
Sang nimmer zwischen Käfigstangen.
Man drohte, kitzelte und lockte,
Gall sang nicht. Bis man die Verstockte
In tiefstem Keller ohne Licht
Einsperrte. Unbelauscht, allein
Dort, ohne Angst und Widerhall,
Sang sie
Nicht – -,
Starb ganz allein
Als Nachtigall.

(Joachim Ringelnatz 1883 – 1934)

Variation

     Eingetragen am Februar 9th, 2012 von spektivblick

Wie Stille in der Luft
unter dem Ast des Echos.
Die Stille im Wasser
unter dem Laub der Sterne.
Die Stille deines Mundes
im Dickicht der Küsse.

(Federico García Lorca 1898 – 1936)