Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Der wundersame Gesang der Zellen

Vogelgesänge, Grillenzirpen, Walgesänge: Überall in der Natur ist Musik. Nun machten Forscher von der University of California in Los Angeles die Entdeckung, das sogar Zellen durch das Vibrieren ihrer Membrane Töne erzeugen.

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

Von spitzen Schreien über dumpfes Grollen, schmatzende Laute oder leises Säuseln – Zellen können sehr musikalisch sein und besitzen ein ganzes Repertoire von Geräuschen. Mit Hilfe von Nanotechnologie fand man heraus, dass gesunde Hefezellen beispielsweise etwas vollbringen, woran Opernsänger regelmäßig scheitern: Mit ungefähr 1000 Schwingungen pro Minute schaffen sie locker ein hohes C oder D. Kommen sie mit Alkohol in Verbindung, geben sie einen grellen Laut in Cis und D von sich. Auch bei genmanipulierten Hefezellen ändert sich die Klangfarbe, absterbende Zellen brummen nur noch dumpf vor sich hin. Die Wissenschaftler benutzten dazu ein Rasterkraftmikroskop, mit dem man bisher nur Bilder der Zellen erstellt hat, wie den Tonarm eines Plattenspielers. Die Spitze des Mikroskops berührt, ähnlich wie eine Platten-Nadel, ganz leicht die Zelle und kann so ihre Vibrationen messen. Durch einen Computer werden dann die Geräusche, die durch die Vibration entstehen, verstärkt, so dass sie auch für das menschliche Ohr hörbar sind.

Nach dem Versuch mit Hefezellen experimentierten die Biochemiker auch mit Krebszellen. Da sich diese Zellen in ihrer Aktivität von gesunden unterscheiden, geben sie auch andere Töne von sich: Lärm, der wie ein schlecht eingestelltes Radio klingt. Mediziner hoffen nun, mit Hilfe des Klangs auf Basis dieser neuen Messmethode künftig kranke Zellen von gesunden unterscheiden und damit Krankheiten erkennen, oder sogar voraussagen zu können. Gerade in der Krebsforschung wäre dies ein revolutionärer Schritt, da man Krebszellen aufspüren könnte bevor die Krankheit ausbricht. Einen Namen für diesen neuen Wissenschaftszweig hat man auch schon gefunden: “Sonocytology”, die Erforschung der Zellgeräusche. Auch kulturell wird diese neue Entdeckung schon genutzt: die deutsche Medienkünstlerin Anne Niemetz lässt in Zusammenarbeit mit Chemikern Zellen in einem Multimedia-Konzert singen – Titel: “The Dark Side of the Cell” in Anlehnung an Pink Floyds “The Darkness of the Moon”.

Schlagworte: , , ,

Eine Antwort zu “Der wundersame Gesang der Zellen” (Klicken, um zu verstecken)»

  1. Moritz sagte:

    hey….
    Klasse HP muss ich sagen, bin bio student und kann es nur gutheißen wenn jmd biol. aufklärung betreibt!!!

    Allerdings hat sich auch ein Fehler eingeschlichen. Und zwar ist bei ”Der wundersame Gesang der Zellen” von Pink Floyds Albnum ”Darkness of the Moon” die Rede, naja ich denke damit ist wohl eher ”Dark Side of the Moon” gemeint oder?

    grüße

Hinterlassen Sie einen Kommentar