Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Neophyten – Neulinge in der Pflanzenwelt

SpringkrautNeulinge sind in unserer Pflanzenwelt nichts Neues. So wanderten die meisten Pflanzen nach der letzen Eiszeit wieder neu nach Mitteleuropa ein. In der Jungsteinzeit brachte der Mensch mit dem Getreide auch Ackerwildkräuter hierher. Die Vegetation Mitteleuropas ist geprägt von ursprünglich nicht einheimischen Arten.

Besonders aber nach der Entdeckung Amerikas wurden viele gebietsfremde Arten bei uns eingeführt. Pflanzen die nach 1492 nach Europa eingeführt wurden nennt man Neophyten, was aus dem griechischen stammt und so viel wie „neue Pflanzen“ bedeutet. Sie wurden zum einen bewusst als Zier- oder Nutzpflanzen importiert. Zum anderen kamen etwa die Hälfte aller Neophyten unbeabsichtigt über Handelswege nach Europa, wie etwa über Saatgut, im Tierfutter oder als
blinde Passagiere auf Handelsschiffen. Nur wenige Neulinge können in unserem Klima selbständig dauerhaft überleben und noch weniger sind hier ausbreitungsstark. In Deutschland zählt man heute 328 fest eingebürgerte Pflanzenarten, von denen sich etwa 10-15 invasiv ausbreiten.

Neophyten sind zum Teil in ökologischer Hinsicht problematisch, da sie sich in der neuen Umgebung ohne Konkurrenten oder an sie angepasste Schadinsekten stark ausbreiten können, zu Monokulturen neigen und so grossflächig die ursprüngliche einheimische Vegetation verdrängen. Zu solch aggressiven Problempflanzen zählen etwa der Japanische Staudenknöterich aus Asien, die Kanadische Goldrute aus Nordamerika oder das Drüsige Springkraut aus Indien. Hohe Bekämpfungskosten können wirtschaftliche Schäden hervorrufen.

Einige gebietsfremde Pflanzenarten gefährden sogar die menschliche Gesundheit. Wie etwa der bis zu 4 Meter hochwerdende Riesen-Bärenklau. Der auch Herkulesstaude genannte Doldenblütler, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Er wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Wegen seines Blütenreichtums wurde der Riesen-Bärenklau als Trachtpflanze für Honigbienen empfohlen und in der freien Natur durch Imker ausgesät. Die Jäger brachten ihn als Deckungspflanze für das Wild aus und man war der Überzeugung mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können.

Der Saft des Riesen-Bärenklau enthält sogenannte phototoxisch wirkende Furocumarine. Wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen Hautentzündungen. Mögliche Folgen sind Juckreiz, Rötung, Schwellung und Blasenbildung. Diese können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen. Die Hautreizungen können wochenlang anhaltende nässende Wunden verursachen und mit anhaltenden Pigmentveränderungen einhergehen. Auch wenn die zackigen und behaarten Blätter einem schon signalisieren, dass man besser die Finger von ihr lassen sollte, genügt bei empfindlichen Menschen bereits ein einfacher Kontakt mit der Oberfläche der Blätter.

Problematisch ist beim Riesen-Bärenklau insbesondere, dass Kinder versucht sind mit diesen auffälligen und attraktiven Pflanzen zu spielen. Wie verführerisch die Pflanzen als Spielzeug sind, zeigen einige Vergiftungsfälle, bei denen Kinder anschließend stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Kinder hatten zuvor die Stängel als Schwerter in Ritterspielen verwendet, sie als Blasrohr oder Fernrohr benutzt oder sich zwischen den Blättern versteckt.

Nach Kontakt mit Teilen der Pflanze kann es hilfreich sein, schattige Orte aufzusuchen und die betroffenen Kontaktstellen mit Wasser und Seife zu reinigen. Es ist zu empfehlen, nach einem Hautkontakt mit der Pflanze einen Arzt aufzusuchen.

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2 Antworten zu “Neophyten – Neulinge in der Pflanzenwelt” (Klicken, um zu verstecken)»

  1. Unter der Lupe: den Wirkstoffen der Pflanzen-Duelle auf der Spur » Land der Erfinder - Das Blogzine über Erfindungen, Ideen und Innovationen aus Österreich sagte:

    [...] Vorteile der gebietsfremden Pflanzen sind oft ihr rasantes Wachstum wie auch ihre außerordentliche Widerstandsfähigkeit. In Folge [...]

  2. Landschaft & Oekologie sagte:

    Kulturbedingte erdgeschichtliche Veränderungen – Anmerkungen zum Anthropozän-Begriff…

    In der umweltpolitischen Diskussion scheint sich nach einigen anderen, inzwischen etwas abgenutzten Kampfbegriffen wie „Nachhaltigkeit“ und „Biodiversität“ ein neuer nach vorne zu schieben: Anthropozän. In dem Artikel …

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