Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Archiv für die ‘Naturblock Magazin’ Kategorie

Das Rotkehlchen

Freitag, Januar 20th, 2012

rotkehlchenEiner der liebenswertesten einheimischen Singvögel ist das Rotkehlchen! Es ist nicht scheu und lässt sich gut und aus nächster Nähe beobachten. Man braucht nur ein Stück Garten umzugraben und schon kommt es freudig angehüpft um in der frisch umgegrabenen Erde nach Fressbarem zu suchen. Ein charakteristisches Verhalten des Rotkehlchens ist das sogenannte Knixen, was wie eine kleine Verbeugung aussieht.

Kaum eine Vogelart ist bei uns bekannter und beliebter. Das liegt zum einen an der orangeroten Brust, Kehle und Stirn die es hübsch aussehen lässt, zum anderen an den großen dunklen Knopfaugen, die es so herrlich niedlich wirken lässt. Herrlich klingt zudem auch der wehmütig-melancholische Gesang, den der putzige Vogel als echter Frühaufsteher schon zur ersten Morgendämmerung zum Besten gibt. Hört man den Gesang, merkt man dem Rotkehlchen seine Verwandtschaft zu den Sangeskünstlern Nachtigall und Singdrossel an. In einer entspannten Situation scheint der Vogel in einem spielerischen Vor-sich-hin-Singen Gesangsperlen zu einer wundervollen musikalischen Kette zu verbinden.

Rotkehlchen gehören zu den wenigen Vogelarten unserer Breiten, deren Gesang man auch an milden Wintertagen genießen kann. Denn es gibt manche Rotkehlchen die im Herbst die Koffer für den warmen Süden packen, und andere die den Winter tapfer bei uns ausharren. Hauptsächlich sind es Männchen die zum Großteil Standvögel sind und überleben auch kalte Winter recht gut. Die Reisemuffel haben es dann im Frühjahr leichter die Gunst eines Weibchens zu gewinnen, als die im Süden überwinternden Männchen, weil sie bereits ein ordentliches Revier gefunden haben.

Eine weitere Besonderheit der Rotkehlchen ist die ungewöhnliche Eigenschaft, dass auch Weibchen Reviere besitzen, was das Paarungsverhalten sehr kompliziert werden lässt. Diese verteidigen die Weibchen auch mit Gesang. Schon kurz nach der Paarungen treten Männchen und Weibchen wieder in ihre getrennten Reviere zurück und die Brut ist dem Weibchen alleine überlassen.

Bei den alten germanischen und keltischen Volksstämmen Europas galt das Rotkehlchen als Träger und Überbringer der Sonne. Wo das Rotkehlchen als heiliger Vogel nistete, glaubten die Menschen, dass Haus und Hof behütet sein. Es wurde als großer Frevel betrachtet, wenn jemand das Nest eines Rotkehlchens zerstörte. Zudem herrschte der Glaube, dass ein Rotkehlchen-Nest in der Nähe des Hauses Frieden in dasselbe bringe und Ehepaare dort in Glück und Frieden leben.
Das Rotkehlchen spielt als „reiner“ Vogel in Christuslegenden eine wesentliche Rolle. Überlieferungen erzählen davon, wie Jesus voll Schmerz und Pein am Kreuze hing und in einiger Ferne einen kleinen einfarbig braunen Vogel im Walde sah. Diesem rannen bittere Tränen aus seinen Augen, als es die scharfen, stacheligen Dornen sah, die Jesus Haupt durchbohrten. Daraufhin flog es zum Kreuz und löste einen Dorn aus der Krone. Dabei wurde seine Brust mit einem Blutstropfen besprenkelt, weshalb das Rotkehlchen seit dem eine rote Brust hat.
In Großbritannien ist das Rotkehlchen der beliebteste Vogel des Landes und spielt vor allem um die Weihnachtszeit eine besondere Rolle.

Wie Pflanzen kommunizieren

Freitag, Dezember 16th, 2011

tabakKönnten Pflanzen Töne von sich geben, herrschte in Wald und Flur ein überwältigendes Stimmengewirr, ein Geflüster und Geschrei. Auf den ersten Blick sind Pflanzen scheinbar schlecht für die Kommunikation geeignet, und dennoch sind sie äußerst mitteilsam. Mithilfe ihrer ganz eigenen, raffinierten Methoden der Kommunikation können sie ihre Vermehrungschancen steigern, auf Verletzungen reagieren, sich vor Feinden schützen oder Helfer anlocken. All diese Verständigungswege beruhen ausschließlich auf chemischen Signalen und optischen Reizen.

Für die Fortpflanzung mancher Pflanzen ist es unabdingbar Helfer wie Bienen und Schmetterlinge auf sich aufmerksam zu machen, um ihre Pollen zur Bestäubung verteilen zu können. Hierbei bedient sich das Gewächs oftmals verschiedenster Locksignale. Meistens benutzen Pflanzen bunte Farben und betörende Düfte, die einer großen Zahl verschiedenster Insekten signalisiert „Hier gibt es süßen Nektar, nun kommt schon her!“.

Der Einfallsreichtum in der Kommunikation, trägt auch zu dem Überleben der Gewächse bei. So signalisieren einige Pflanzen schon durch ihr Erscheinungsbild, mit Hilfe von Stacheln, Wiederhaken und Dornen „Lass mich in Ruhe, sonst steche ich dich!“. Andere Spezien bedienen sich der chemischen Keule und reichern sich mit Giften oder unangenehm schmeckenden Substanzen an, um zu kommunizieren „Wenn du mehr von meinem Blatt frisst, wird es dir übel bekommen!“.

Geraten Pflanzen mit Fressfeinden in Kontakt können sie bis zu 50 verschiedene Hormone in ihre Umwelt abgeben. Manche Pflanzen benutzen diese Hormone direkt um in Raupen in ihrer Umgebung lebensbedrohliche Mutationen hervorzurufen und sich so vor ihnen zu schützen. Wird einen Tabakpflanze von Schmetterlingsraupen befallen nutzt sie diese chemischen Botenstoffe als genialen, heimlichen Hilfeschrei…

Beschädigt Wind oder Hagel eine Tabakpflanze, passiert nichts, da das kluge Gewächs registriert, dass aufwendige Abwehrreaktionen keinen Sinn hätten. Erst durch die Kombination aus Fraßrhythmus und Speichel, läuft die Abwehrmaschinerie der Pflanze schon nach wenigen Minuten auf Hochtouren. Der erste Hilfeschrei besteht aus Duftstoffen, die aus der Wunde der Pflanze strömen und sich über den Wind kilometerweit verbreiten. Nach einer Stunde werden dann die ersten Gene in der Pflanze umprogrammiert, und nach fünf Stunden kann die Produktion von Giftstoffen zur Abwehr anlaufen, vorausgesetzt, sie ist sinnvoll: Die Pflanze bildet nämlich nur dann giftige Substanzen, wenn diese den knabbernden Raupen auch etwas anhaben können. Erkennt eine Tabakpflanze jedoch beispielsweise den Speichel eines Tabakschwärmers, lässt sie die aufwendige Produktion gleich bleiben, denn dessen Raupen sind immun gegen das Nervengift Nikotin, mit dem die Pflanze sich sonst wehren würde. Stattdessen bildet sie verdauungsstörende Eiweiße und einen Cocktail von Duftstoffen, mit denen sie „Alliierte“ in Form von parasitischen Wespen herbeiruft. Diese räuberischen Wespen legen ihre Eier im Körper der Raupen ab, deren geschlüpfte Larven dann die Raupen von innen heraus verspeisen und somit unschädlich machen.

Aber nicht nur sich selbst helfen die Pflanzen mit diesen Hilferufen, sondern auch ihren Artgenossen in der Nachbarschaft, welche ebenfalls die Signale wahrnehmen können, um sich vor der präsenten Bedrohung zu schützen. Genetisch veränderten Pflanzen fehlt jedoch oftmals die Fähigkeit ihre Nachbarn noch zu verstehen. Auf Grund dessen werden sie ungleich mehr von Schädlingen befallen als ihre unveränderten Artgenossen. Durch die extremen Züchtungen sind so viele der heutige Nutzpflanzen chemisch stumm und dadurch praktisch hilflos gegenüber Insekten geworden. Wenn der Mensch also lernt, die Pflanzensprache zu verstehen, kann er diesen Pflanzen möglicherweise wieder beibringen zu kommunizieren, und so den Einsatz von Pestiziden verringern.

Piranhas in der Erft

Donnerstag, November 10th, 2011

Piranhas in der ErftDie Erft ist auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Fluss Mitteldeutschlands. Das 107 km lange Gewässer entspringt im Ahrgebirge der Eifel und mündet bei Neuss in den Rhein. Doch eines Tages schockte die Bild-Zeitung mit der Schlagzeile „Vorsicht! Piranhas in der Erft!“. Denn Angler zogen insgesamt drei Piranhas dieser südamerikanischen Fische aus der Erft, zuletzt ein 50 cm langes Exemplar. Doch wie kommen solche exotischen Tiere in die Erft und wie können sie hier überleben?

Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten, weil Piranhas in vielen Zoogeschäften zum Kauf angeboten werden. Wird man der gekauften Tiere überdrüssig, ist der Weg zum nächsten Gewässer meist nicht weit. Sind die ehemaligen Hausgenossen einmal in der Erft gelandet, ist es durchaus möglich, dass sie zumindest eine Zeit lang überleben. Denn der Unterlauf des Flusses führt vergleichsweise warmes Wasser. Im Winter, wenn benachbarte Bäche bereits gefrieren, betragen die mittleren Wassertemperaturen der unteren Erft noch 15°C. Im Sommer kann die Temperatur auf 28°C ansteigen.

Die Erft schlängelt sich durch ein Gebiet in dem Braunkohle abgebaut wurde und wird. Unterhalb von Erftstadt wird dem Fluss warmes Sümpfungswasser zugeführt. Das ist Grundwasser, dass aus mehreren hundert Metern zur Trockenhaltung des Braunkohlenabbaus abgepumpt wird und dann mit Temperaturen von bis zu 24 °C in die Erft eingeleitet wird. Jährlich werden so 520 Millionen Kubikmeter aufgewärmtes Grundwasser aus dem Tagebau Hambach dem Fluss zugeführt. Hinzu kommt noch weiteres, aufgewärmtes Wasser aus dem Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf.

Das warme Wasser ermöglicht Wärme liebenden Pflanzen und Tieren aus den Tropen oder Subtropen das Überleben, teilweise sogar die Vermehrung. So wurden in der Erft bis dato Populationen von 12 exotische Pflanzenarten nachgewiesen. Sie stammen ebenso wie die Piranhas aus Aquarien. Seit den 1960er Jahren findet man hier zum Beispiel eine in Indien beheimatete Rotalge, deren Triebe meterlang werden können. Auffällig sind auch die dichten Bestände des brasilianischen Wasser-Tausendblatts und der südamerikanischen Dichtblättrigen-Wasserpest, beides beliebte Aquarienpflanzen.

Auch unter den Tieren gibt es neben den Piranhas Neubürger. Neben bunten Guppys und Rotwangenschildkröten, kann man auch Blaubandbärblinge, ein karpfenänhlicher Fisch aus dem östlichen Russland, oder den aus Nordamerika stammenden Sonnenbarsch finden. Ausgesetzte Schmuckschildkröten nutzen die Erft als winterliches Rückzugsgebiet. Auch den Wärme liebenden Getigerten Strudelwurm kann man hier zahlreich finden. Weitere Neubürger sind nordamerikanische Kamberkrebse, chinesische Wollhandkrabben, Istrische Asseln oder asiatische Körbchenmuscheln. Die meisten Zuwanderer schaffen es jedoch nicht, sich dauerhaft in der Erft zu etablieren, so auch die Piranhas.

Das warme Getümmel hat jedoch seinen Preis, denn die Wassersituation der Erft ist wahrlich vermurkst und im wahrsten Sinne des Wortes „auf Pump“. Denn die Erft ist nur wegen des Sümpfungswassers überhaupt noch ein Fließgewässer. Wenn der Tagebau eines schönen Tages stillgelegt wird, fällt sie trocken. Denn wegen jahrzehntelangen Abpumpens hat der Fluss seinen Anschluss an den gesunkenen Grundwasserspiegel längst verloren. Durch Zuführung des Grundwassers aus dem Kohleabbau wurde die Erft ein wasserreicher Fluss. Einst führte die Erft noch 5 qm Wasser in der Sekunde ab, zu Hochzeiten des Abbaus über 26 qm. Nach der Stilllegung wird die Erft zu einem kleinen Flüsschen mit einer Wasserführung von weniger als 3 qm Wasser in der Sekunde werden, zu wenig für ihr „aufgepumptes“ Flussbett. Um nicht völlig zu versiegen wird man ihr ein neues Bett anlegen müssen, in dem sie auch mit weniger Wasser weiter fließen kann. Dann wird sie wieder zu einem ganz bescheidenen, gewöhnlichen Flüsschen Mitteldeutschlands.

Papageien in unseren Städten

Mittwoch, Oktober 19th, 2011

halsbandsittichIch liege entspannt im Stadtgarten Köln und genieße die Sonne des prächtigen Altweibersommers. Plötzlich vernimmt mein vogelstimmenkundiges Gehör unbekannte, exotische Rufe und ein Schwarm knallgrüner Papageien mit schmalen, spitzen Flügeln, langem Schwanz und kräftigem roten Schnabel jagt über mich hinweg. Papageien in Köln? Nein, dass ist keine Nachwirkung der Trübung meiner Sinne vom letzen Wochenende, sondern Realität des modernen Vogeldeutschlands.

Mehr als 6000 dieser Neubürger leben schätzungsweise derzeit in deutschen Städten, vermehrt im besonders milden Klimas entlang des Rheins in Städten wie Düsseldorf, Köln, Bonn, Mainz, Wiesbaden, Mannheim/Ludwigshafen, aber auch kleinere Schwärme in Stuttgart, Berlin oder Heidelberg. Ihren Namen verdanken die bis zu 45 cm groß werdenden Papageien einem charakteristischen dunklen Streifen um ihren Hals: Halsbandsittiche. Die ersten frei lebenden Vertreter dieser Art wurden in Deutschland 1965 beobachtet. Halsbandsittiche waren damals sehr beliebte Haustiere. Manche sind wohl einigen Züchtern entflohen, vielleicht auch aus Überdruss freigelassen worden. Seitdem vermehren sie sich prächtig in unseren Gefilden und der Klimawandel dürfte der Verbreitung förderlich sein. Ursprünglich sind die Sittiche in Afrika und Asien beheimatet. Dort leben sie bis in die enormen Höhenlagen des Himalajas, weshalb unsere Winter für sie keinerlei Problem darstellt.

Dass die Tiere vor allem mitten in großen Städten leben, ist nicht verwunderlich. Neben dem besseren Nahrungsangebot in den Stadtparks spielt auch das wärmere Mikroklima eine Rolle. Die Vögel schätzen zudem Straßenlaternen und menschlichen Lärm, denn solche Orte bieten Sicherheit vor Eulen.

Halsbandsittiche finden bevorzugt in Platanen geeignete Nistplätze. Meist beziehen sie hier verlassene Spechtbauten oder natürliche Baumhöhlen. Die Sittiche sind vorwiegend Vegetarier. Sie fressen im Frühjahr Knospen, Triebe, Blätter und knabbern an Blüten. Im Sommer und Herbst ernähren sie sich von Früchten und Samen. Sehr zum Ärger vieler Schrebergarten-Besitzer gehen die Sittiche sehr verschwenderisch mit ihrer Nahrung um und lassen nicht selten die Hälfte einfach auf den Boden fallen. Ein kleiner Apfelbaum ist so schon mal rasch abgeerntet. Im Winter finden sich genug Vogelfreunde, die den Sittichen mit Körnern, Erdnüssen oder Meisenknödeln über die Runden helfen. Auch wenn der Ornithologe ihnen eine „gewisse Durchsetzungsfähigkeit“ bescheinigt, negative Folgen für die heimische Vogelwelt sind noch nicht beobachtet worden. Zentraler Treff aller Halsbandsittiche aus einer Region ist ihr Schlafbaum, an dem sie sich allabendlich versammeln und der auch als „Heiratsbasar“ dient.

Neben den Halsbandsittichen gibt es mittlerweile etwa zehn verschiedene freilebende Papageienarten in deutschen Städten, wie die aus Südamerika stammenden Gelbkopfamazone, Blaustirnamazone und Mönchsittich und den aus Indien stammenden Großen Alexandersittich. Sie alle machen unsere Städte etwas bunter.

Neophyten – Neulinge in der Pflanzenwelt

Donnerstag, September 15th, 2011

SpringkrautNeulinge sind in unserer Pflanzenwelt nichts Neues. So wanderten die meisten Pflanzen nach der letzen Eiszeit wieder neu nach Mitteleuropa ein. In der Jungsteinzeit brachte der Mensch mit dem Getreide auch Ackerwildkräuter hierher. Die Vegetation Mitteleuropas ist geprägt von ursprünglich nicht einheimischen Arten.

Besonders aber nach der Entdeckung Amerikas wurden viele gebietsfremde Arten bei uns eingeführt. Pflanzen die nach 1492 nach Europa eingeführt wurden nennt man Neophyten, was aus dem griechischen stammt und so viel wie „neue Pflanzen“ bedeutet. Sie wurden zum einen bewusst als Zier- oder Nutzpflanzen importiert. Zum anderen kamen etwa die Hälfte aller Neophyten unbeabsichtigt über Handelswege nach Europa, wie etwa über Saatgut, im Tierfutter oder als
blinde Passagiere auf Handelsschiffen. Nur wenige Neulinge können in unserem Klima selbständig dauerhaft überleben und noch weniger sind hier ausbreitungsstark. In Deutschland zählt man heute 328 fest eingebürgerte Pflanzenarten, von denen sich etwa 10-15 invasiv ausbreiten.

Neophyten sind zum Teil in ökologischer Hinsicht problematisch, da sie sich in der neuen Umgebung ohne Konkurrenten oder an sie angepasste Schadinsekten stark ausbreiten können, zu Monokulturen neigen und so grossflächig die ursprüngliche einheimische Vegetation verdrängen. Zu solch aggressiven Problempflanzen zählen etwa der Japanische Staudenknöterich aus Asien, die Kanadische Goldrute aus Nordamerika oder das Drüsige Springkraut aus Indien. Hohe Bekämpfungskosten können wirtschaftliche Schäden hervorrufen.

Einige gebietsfremde Pflanzenarten gefährden sogar die menschliche Gesundheit. Wie etwa der bis zu 4 Meter hochwerdende Riesen-Bärenklau. Der auch Herkulesstaude genannte Doldenblütler, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Er wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Wegen seines Blütenreichtums wurde der Riesen-Bärenklau als Trachtpflanze für Honigbienen empfohlen und in der freien Natur durch Imker ausgesät. Die Jäger brachten ihn als Deckungspflanze für das Wild aus und man war der Überzeugung mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können.

Der Saft des Riesen-Bärenklau enthält sogenannte phototoxisch wirkende Furocumarine. Wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen Hautentzündungen. Mögliche Folgen sind Juckreiz, Rötung, Schwellung und Blasenbildung. Diese können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen. Die Hautreizungen können wochenlang anhaltende nässende Wunden verursachen und mit anhaltenden Pigmentveränderungen einhergehen. Auch wenn die zackigen und behaarten Blätter einem schon signalisieren, dass man besser die Finger von ihr lassen sollte, genügt bei empfindlichen Menschen bereits ein einfacher Kontakt mit der Oberfläche der Blätter.

Problematisch ist beim Riesen-Bärenklau insbesondere, dass Kinder versucht sind mit diesen auffälligen und attraktiven Pflanzen zu spielen. Wie verführerisch die Pflanzen als Spielzeug sind, zeigen einige Vergiftungsfälle, bei denen Kinder anschließend stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Kinder hatten zuvor die Stängel als Schwerter in Ritterspielen verwendet, sie als Blasrohr oder Fernrohr benutzt oder sich zwischen den Blättern versteckt.

Nach Kontakt mit Teilen der Pflanze kann es hilfreich sein, schattige Orte aufzusuchen und die betroffenen Kontaktstellen mit Wasser und Seife zu reinigen. Es ist zu empfehlen, nach einem Hautkontakt mit der Pflanze einen Arzt aufzusuchen.

Weltmacht Insekten

Mittwoch, August 24th, 2011
Weltmacht Insekten

Weltmacht Insekten

Seit mehr als 400 Millionen Jahren bevölkern sie unsere Erde und werden dies wohl auch bis an ihr Ende tun. So erfolgreich wie Ameisen, Käfer, Fliegen und Co ist sonst niemand auf unserem Planeten. Mehr als 80 Prozent aller Tierarten sind Insekten. Ob Wüste, Hochgebirge, Ozean oder Antarktis, es gibt keine ökologische Nische die sie nicht erobert haben. Es gibt Schätzungsweise eine Trillionen Insekten, 143 Milliarden mal mehr Individuen als Menschen auf der Erde. Würde man eine gigantische Waage bauen, alle Insekten der Erde auf eine Seite packen und alle anderen Lebewesen auf die andere, so währen Ameisen, Schmetterlinge und Kollegen tatsächlich schwerer als Elefanten, Wale und Konsorten.

Für den enormen Erfolg der Insekten kann man mehrere Eigenschaften verantwortlich machen. Zum Einen haben sie eine sehr festes Außenskelett, den Chitinpanzer, welcher die Insekten verhältnismäßig zur Größe sehr kräftig macht und sie vor dem Austrocknen schütz. Zum Anderen ermöglicht ihre geringe Körpergröße in Lebensräume vorzustoßen, die für Wirbeltiere unzugänglich sind. Auch mit Futterknappheiten kommen sie besser zurecht, da sie einen sehr geringen Energieverbrauch haben. Insekten waren die ersten Lebewesen die sich den Luftraum zu Nutze machten. Durch diese Fähigkeit können sie sich über weite Strecken verbreiten und vor bestimmten Problemen einfach fliehen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der kleinen Krabbeltiere ist, dass sie sich schnell fortpflanzen können. Einige Insekten können bei günstigem Klima und guten Nahrungsverhältnissen sich innerhalb weniger Wochen vertausendfachen. Auch ihr vielfältiges Nahrungsspektrum wird ihnen zum Vorteil. Viele Insekten sind Allesfresser und verspeisen alles von Pflanzen und Fleisch über Aas bis hin zu Kot.

Im Laufe der Evolution haben sich bei den sechsbeinigen Wesen einige verblüffende Kuriositäten entwickelt. Wie etwa bei den Schmetterlingen. So gibt es Arten mit „gläsernen“ Flügeln. Hierbei sind die Flügelschuppen so klein, dass das Sonnenlicht hindurch scheint und die Flügel durchsichtig wirken. Dies hat den Vorteil, dass Fressfeinde die Falter nur schwer ausfindig machen können. Manche Schmetterlingsraupen haben eine Musterung und „Scheinaugen“ wie die einer Schlange, mit denen sie Fressfeinden das Fürchten lehren. Andere Schmetterlinge imitieren giftige Artgenossen oder andere gefährliche Insekten. Wie etwa der Hornissenschwärmer, der einer Hornisse zum verwechseln ähnlich sieht, aber völlig harmlos ist. Mimikry nennt man dieses Tarnverhalten ungiftiger Arten, mit der Absicht das Fressfeinde die Finger von den vermeintlich giftigen Tieren lassen.

Das größte lebende Insekt ist eine Stabheuschrecke mit einer Gesamtkörperlänge von bis zu 60 Zentimetern. Kaum ein Fressfeind traut sich an solch ein großes Tier heran, weshalb sie Ihre Tarnung als dünnen Ast eigentlich gar nicht nötig hätte. Die kleinsten bekannten Arten sind Vertreter der zu den Käfern gehörenden Federflügler sowie Erzwespen mit Körperlängen von nur 0,2 Millimetern. Die kürzeste Lebensdauer im Insektenreich haben Eintagsfliegen. Die Tiere schlüpfen mit funktionslosen Beisswerkzeugen, mit denen sie keinerlei Nahrung aufnehmen können. Ihr kurzes Dasein dient lediglich der sofortigen Paarung und Eiablage. Weiblichen Eintagsfliegen bleibt dazu gerade mal 5 Minuten!

Die größte Extravaganz im Körperbau hat Mutter Natur aber wohl den tropischen Buckelzirpen geschenkt. Hier scheint die Natur Humor gehabt zu haben, denn die Zirpen tragen pompöse Rückenschilde oder ähnliche Auswüchse. Zum Teil sehen sie aus wie ein Hubschrauber auf Beinen, ein Hirsch mit Flügeln oder Darstellungen von Ur-Atomen. Andere Arten tragen kugelähnliche Gebilde an einem sternartigen Auswuchs auf einer Art “Antenne”. Manch eine Buckelzirpenart sieht gar aus wie ein Stück Holz oder ein Klumpen Dreck, so sind sie bestens getarnt.

Warum Musik uns glücklich macht…

Donnerstag, Juli 14th, 2011
Warum Musik uns glücklich macht

Warum Musik uns glücklich macht

Musik ist älter als Sprache.

Wir wissen heute, dass beim Musizieren der älteste Teil unseres Hirns, das Großhirn aktiv ist. Beim Sprechen hingegen nur ein jüngerer Seitenlappen. Wir haben ein Stimmorgan, was es uns ermöglicht über 3 bis 4 Oktaven Töne von uns zu geben, zum sprechen brauchen wir aber gerade einmal eine. Schlaganfallpatienten können häufig nicht mehr sprechen, aber noch musizieren. Dies alles sind Indizien darauf, dass der Mensch schon musizierte bevor er die Sprache entwickelte. Emotionen und Gefühle wurden mit Tonfolgen aus dem Kehlkopf mitgeteilt, ähnlich wie Tiere das heute noch machen. Vereinfacht gesagt: Traurigkeit wurde in Moll-Tonfolgen mitgeteilt, Freude in Dur.

Heute besitzen wir zwar eine hoch-komplexe Sprache und modernste Kommunikationskanäle wie Handy, E-Mail und Internet, doch verstehen wir diese Botschaften immer noch. Dieses tonale Langzeitgedächtnis ist auch heute noch der Grund warum manche Musik uns glücklich und manche Musik uns traurig macht. Diese Wahrnehmung ist so in unsere Gene übergegangen, dass sogar Menschen die nie Kontakt zur westlichen Musik hatten, diese Botschaften verstehen.

Ein weiteres Beispiel für unser evolutionäres Langzeitgedächtnis der Töne ist das Geräusche was entsteht wenn man mit einer Gabel über einen Teller kratzt oder Kreide an der Tafel abbricht. Es stellen sich uns die Nackenhaare auf und ein Gefühl des Unbehagens tritt ein. Der Grund dafür liegt weit zurück: als der Mensch noch in Wäldern und Savannen lebten, gab es eine Affenart die bei Gefahr durch Raubtiere ein Geräusch absonderte welches diesem der kratzenden Gabel sehr ähnelt. Der Mensch wurde darauf konditioniert: Gefahr, aufpassen und in Fluchtstellung gehen!

Musik kann zu dem als sozialer Klebstoff unserer Gesellschaft angesehen werden. Durch das gemeinsame singen und musizieren wurde und wird das Gruppengefühl gestärkt, die Basis unserer Gesellschaft. Sogar die Gehirnwellen der Musizierenden schwingen im Gleichklang. Unser Körper belohnt dies mit Ausschüttungen des Glückshormons Endorphin und Dopamin. Nach einer Weile kommen noch Serotonin und Noradrenalin hinzu, die eine antidepressive Wirkung haben. Auch geringere Mengen des Stresshormons Cortisol werden produziert. Musizieren entspannt, bringt die Emotionen ins Gleichgewicht, macht wacher und aufmerksamer, glücklicher. Zudem kommt es zur einer Bildung von Abwehrstoffen, die zu einer Stärkung des Immunsystems führen.

Auch das Gefühl und die Freude für Rhythmus ist etwas was uns allen inne wohnt. So findet man auf der ganzen Welt Kulturen die alle unabhängig voneinander dem 4/4 Takt frönen. Die Freude an diesem monotonen Rhythmus auf den man sich stundenlang bewegen möchte rührt wohl daher, dass wir im Mutterleib als erstes den gleichförmigen Herzschlag der Mutter hören. Der gerade Rhythmus erinnert uns also an eine ganz ursprüngliche Glückseligkeit.

Die Zecke

Freitag, Juni 17th, 2011
Die Zecke | © T. Hoffmann  / pixelio.de

Die Zecke | Bild: T. Hoffmann, pixelio.de

Gleich 2 Zecken brachte ich gestern als „Souvenir“ von meinem Streifzug durch hohes Gras mit. Denn im Gegensatz zu dem Volksglauben sie würden sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, halten sich die Blutsauger vornehmlich im Gestrüpp, in hohen Gräsern oder im Unterholz bis einer Höhe von 1,5 Meter auf. Dort werden sie abgestreift, wenn sich der potentielle Wirt durch das Gras bewegt.

Hat die zu den Milben zählende Zecke dann eine geeignete, dünne und gut durchblutete Hautstelle gefunden ritzt sie mit ihren Mundwerkzeugen die Haut ein und schiebt ihren Stechapparat in die Wunde. Dieser ist symmetrisch mit Widerhaken besetzt. Damit bohren sie sich jedoch nur oberflächlich in die Haut ein und „lecken“ dann das austretende Blut. Neben Blutgerinnungsmittel und Klebstoff der die Mundwerkzeug fest verankert, injizieren sie in die Wunde auch ein Betäubungsmittel, damit das Opfer den Einstich nicht bemerkt. Mehrere Tage bis zu zwei Wochen saugen sie dann Blut, bis sie sich abfallen lassen. Dank ihrer lederartigen, dehnbaren Haut können sie dabei ihre Größe von 3-4 Millimeter auf 3 Zentimeter vervielfachen.

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Der Kampfläufer

Mittwoch, Mai 11th, 2011
Der Kampfläufer

Der Kampfläufer

Kampfläufer sind schon sehr komische Vögel. Die zu den Schnepfenvögeln zählenden Vögel zeichnen sich durch einen extremen Geschlechtsdimorphismus aus. Während die kleineren Weibchen unscheinbar grau-beige gefärbt sind, tragen die Männchen einen pompösen, harlekin-artigen Halskragen der von Schwarz, über Orange, über Braun bis hin zu Weiß variieren kann. Dabei sind alle erdenklichen Farbvariationen, mit Streifen und Mustern möglich, so dass jedes Männchen anders aussieht.

Auch ihre Überwinterungsquartiere im südlichen Afrika sind streng nach Geschlechtern getrennt. Gerade kehren sie in ihre Brutgebiete der nördlichen Tundra zurück, wo sie in feuchten Wiesen und Mooren brüten. Dort spielt sich dann wieder ihr außergewöhnliches Balzverhalten ab, dem sie auch ihren Namen verdanken: in etwa einem Quadratmeter großen, schlammigen Balzarenen kämpfen die stolzen Männchen um die Gunst der Weibchen.

Das größte Kuriosum diese Vogels, dürfte jedoch sein komplexes Paarungssystem sein, denn es gibt drei Arten von männlichen Paarungsstrategien. Die am häufigsten vorkommende Strategie ist die des „residenten Männchens“ (84 %). Sie haben im Brutkleid einen tief schwarzen oder kastanienbraunen bis orangeroten Kragen. Diese Männchen verteidigen ihre Balzarenen, wobei sie ein aggressives Verhalten vor allem gegenüber den Männchen zeigen die einen dunklen Kragen tragen. Hier balzen sie aktiv um Weibchen, die zur Paarungszeit zu diesen Arenen kommen, um Männchen auszuwählen.

„Satelliten-Männchen“ sind weniger häufig (16%). Sie sind marginal kleiner als residente Männchen und haben einen weißen oder zumindest sehr hellen Kragen. Sie verteidigen keine eigenen Arenen, stattdessen halten sie sich in der Nähe von residenten Männchen am Rande von deren Arenen auf. Auf diese Weise können sie ab und zu Paarungen ergattern. Die Satelliten werden von den Residenten geduldet, weil bei Anwesenheit eines Satelliten sich die Weibchen auch häufiger mit Residenten paaren. Beobachtet wurde sogar ein spezifisches Anwerbeverhalten der Männchen mit einem dunklen Kragen, bei dem sie hellkragige Männchen dazu auffordern sich ihrer Arena anzuschließen.

Eine dritte Strategie wurde von einem aufmerksamen friesischen Vogelberinger entdeckt: Ihm fiel auf, dass es zwischen den Flügellängen der größeren Männchen und der kleineren Weibchen noch eine mittlere Größengruppe gab. Die Vögel der mittleren Klasse, die sehr selten vorkamen (<1%), sahen aus wie Weibchen. Sowohl durch Sektion von toten Tieren als auch durch DNA-Tests wurde festgestellt, dass es sich bei diesen Vögeln ebenfalls um Männchen handelt. Diese Männchen, „Faeder“ genannt, mausern nicht ins Brutkleid, sondern behalten ihr schlichtes Federkleid auch zur Paarungszeit. Auf diese Weise erschleichen „Faeder“ sich Paarungen, indem sie vorgeben, weiblich zu sein, und so den Aggressionen der Residenten aus dem Weg gehen können.

Bei der Kinderaufzucht sind sich jedoch alle männlichen Kampfläufer einig, denn die bleibt denn Weibchen allein überlassen.

Der Selbstheilungs-Wundermolch

Donnerstag, April 7th, 2011
Wundermolch

Der Selbstheilungs-Wundermolch

Axolotl ist ein freundlich aussehendes Wesen. Mit seinem breiten Maul, den nach oben gezogenen Mundwinkeln und den kleinen Knopfaugen erinnert er ein bisschen an einen amphibischen Smiley. In seinem natürlichen Lebensraum, dem Xochimilco-Feuchtgebiet in der Nähe von Mexiko-Stadt, hat er jedoch nicht mehr viel zu lachen: Starke Verschmutzungen haben die hier endemisch beheimatete Art nahezu ausgerottet. Sein exotisch kurioses Aussehen, weckte jedoch schon früh das Interesse der Wissenschaft. So importiert schon vor mehr als 200 Jahren der große Alexander von Humboldt das zu der Familie der Querzahnmolche gehörige Tier nach Europa.

In Gefangenschaft mauserte sich Axolotl aufgrund seiner fantastischen Fähigkeiten zum Liebling der Forscher. Denn der Molch ist ein wahres Regenerationswunder: Er kann abgetrennte Gliedmaßen und sogar Organe wiederherstellen. Ein abgerissenes Bein ist für den Schwanzlurch keine große Sache: Ihm wachsen in kürzester Zeit komplett neue Körperteile nach, ohne dass eine einzige Narbe entsteht. Selbst bei großen Wunden ist binnen Sekunden die Blutung gestillt. Sogar Defekte an Herz, Gehirn und Wirbelsäule kann er reparieren. Einen querschnittsgelähmten Axolotl gibt es nicht.

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