Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Archiv für die ‘Naturblock Magazin’ Kategorie

Der Ameisenlöwe

Freitag, September 3rd, 2010
Der Ameisenlöwe

Der Ameisenlöwe

Bei meiner heutigen Wanderung durch die wunderschöne Lüneburger Heide, konnte ich vielerorts merkwürdige, kreisförmige Trichter im Sand entdecken. Bei genauer Betrachtung erspähte ich zwei gefährlich anmutende Zangen am Grund des Bauwerkes. Sie gehören einem skurrilen Wesen: dem Ameisenlöwen, der, nebenbei bemerkt, den Titel Insekt des Jahres 2010 trägt.

Der Ameisenlöwe ist eine räuberische Insektenlarve, die Ameisen und andere kleine Tiere mit einer verblüffenden Methode fängt: Er baut im sandigen Boden raffiniert-konstruierte Trichterfallen. Wenn Beute dort hineinläuft, kommt sie nicht wieder heraus, weil sie mit dem lockeren Sand der steilen Trichterhänge zum Grund rutscht. Dort wartet eingebuddelt der Ameisenlöwe mit seinen kräftigen Kieferzangen und injiziert ein lähmendes Gift. Versucht ein Beutetier zu fliehen, so bewirft der Ameisenlöwe das Opfer mit gezielten Sandwürfen, die das Abrutschen fördern.

Die bräunlichen Killer-Larven häuten sich zweimal, bis sie sich im Sand in einen Kokon einspinnen und verpuppen. Die gesamte Entwicklung dauert etwa zwei Jahre. Im Sommer schlüpft das erwachsene Tier, das wie so häufig bei Insekten ganz anders als die Larve aussieht. Die sogenannte Ameisenjungfer ähnelt einer Libelle, unterscheidet sich aber auf Anhieb durch ihre längeren Fühler.

Zum Trichterbau braucht der Ameisenlöwe höchstens eine halbe Stunde. Dazu gräbt er erst einen runden Graben, den er weiter nach innen vertieft, indem er mit seinen Zangen den Sand bis zu 30 Zentimeter weit wirft. Der Trichter muss so steil sein, dass der lockere Sand sich sofort in Bewegung setzt, wenn ein Insekt darauf tritt.

Die Vorstellung eines in unwirtlicher Umgebung im Sand verborgenen Lauerjägers hat schon in der der Antike und im Mittelalter die Phantasie der Menschen angeregt. So finden sich zahlreiche Mythen aus dieser Zeit und gar biblische Erwähnungen. In heutiger Zeit sind es Film-Monster, deren Entstehung gelegentlich durch Ameisenlöwen inspiriert wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der Sarlacc in Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter, ein uraltes menschenfressendes Monster, das in einem Trichter eingegraben in der Wüste lebt und nach außen nur sein zahn- und tentakelbewehrtes Maul zeigt. Neben weiteren „Hollywood“-Auftritten ist das Insekt auch Inspirationsquelle für Charaktere vieler Computerspiele, wie etwa Final Fantasy oder Pokémon.

Minikolibris in unseren Gärten

Dienstag, August 3rd, 2010
Minikolibris in unseren Gärten

Minikolibris in unseren Gärten

Immer wieder berichten mir Leute ganz aufgeregt von außergewöhnlichen „Minikolibris“ die sie schwirrende an ihren Balkonkästen oder Gärten gesichtet haben. Tatsächlich handelt es sich aber bei den vermeintlichen Kolibrisichtungen um eine sehr schnell und wendig fliegende Nachtfalterart: dem Taubenschwänzchen, wessen Name sich von einem Haarbüschel am Hinterleibsende ableitet, der den Schwanzfedern einer Taube ähnelt.

Einem Kolibri gleich stehen die tagaktiven Falter im raschen Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel Nektar. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Sogar kleinste, durch Wind verursachte, Pflanzenbewegungen, können sie perfekt durch ihren Flug kompensieren, so dass ihre Position zur Blüte immer konstant bleibt. Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt dabei etwa 70 bis 90 Schläge in der Sekunde. Im Flug können sie flotte 80 km/h erreichen!

Durch ihr hektisches Flugverhalten ist der Energieverbrauch der Falter enorm hoch. Sie benötigen jeden Tag fast das doppelte ihres Eigengewichtes an Nahrung, etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen.  Die Tiere nutzen ein großes Futterangebot so aus, dass sie kurze Wege fliegen und nacheinander die Blüten einer Pflanze mit für sie typisch ruckartigen Bewegungen abfliegen, um dann zur nächsten Pflanze weiterzufliegen.

Die flinken Schwärmer sind nicht wählerisch und fliegen die Blüten dutzender Pflanzenarten an. Dies hat den Vorteil, dass sie zu jeder Jahreszeit das vorliegende Angebot an Nektarquellen optimal ausnutzen können. Sie bevorzugen aber nektarreiche Blüten, die lange und schmale Blütenkelche haben. Bei diesen ist die Konkurrenz anderer Nektar suchender Insekten geringer.

Die pfiffigen Falter lernen, an welchen Blüten sie genügend Nektar finden können, sammeln also Erfahrungen beim Blütenanflug. Die Anpassungsfähigkeit durch Lernen wird damit begründet, dass Taubenschwänzchen im Laufe ihres etwa viermonatigen Lebens große Distanzen über mehrere Klimazonen zurücklegen und dabei mit Vegetationsänderungen zurechtkommen müssen. Denn Taubenschwänzchen sind Wanderfalter und erschließen in den Sommer- bzw. Wintermonaten durch ihren ausdauernden Flug neue Areale. Die Tiere legen dabei,  ähnlich wie die Zugvögel, große Distanzen zurück und können bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.

Beachtenswert ist auch ihr Erinnerungsvermögen. Sie kehren Tag für Tag an reichhaltige Nektarquellen zurück, ebenso bleiben sie ihren Ruhe- und Schlafplätzen oft ein ganzes Falterleben lang treu.

Der tollkühne Mauersegler

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

Mit ihren durchdringenden „sriih-sriih“-Rufen verbreiten Mauersegler dieses herrliche Sommerfeeling in den Städten. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu über 200 km/h jagen die Trupps durch die Häuserschluchten. Der rasante Flieger hat sich in Städten und zunehmend auch Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter Dächern und in Gebäudenischen geeignete Wohnstuben findet.

Mauersegler | Bild German-Kunst

Mauersegler | Bild German-Kunst

Nur zur Brut begibt sich der Mauersegler auf festen Boden. Die übrige Zeit seines Lebens verbringt er komplett in der Luft. Er frisst in der Luft, trinkt in der Luft, schläft in der Luft, betreibt Körperpflege in der Luft und vermag sogar die Paarung im Flug zu erledigen. Dank seiner sehr langen, sichelförmigen Flügel, einem kurze Schwanz und eines abgeflachten Kopfes bringt er die perfekten aerodynamischen Vorraussetzungen für das Leben in der Luft mit. Auf Grund seiner Wendigkeit kann er Insekten und Spinnen spielend aus der Luft fischen. Über ruhigem Wasser trinkt er während des Fluges oder nimmt ein Duschbad, indem er mit Hilfe des Schnabels das Wasser aufspritzt. Zum Schlafen steigt er auf in warme Luftschichten bis zu 3600 Meter. Dort schläft er in einer Art Gleitflug.

Der Körper des Seglers ist derart an das Leben in der Luft angepasst, dass er nur noch verkümmerte Klammerfüße hat um sich an den Nestern unter Gebäuden, oder wie ursprünglich, in Felsen und Klippen festzuhalten. Landet ein Mauersegler doch einmal auf dem Boden, ist er nur noch ein hilfloser Krabbler, da er kaum noch Laufen kann und auch der Start nur mit Mühe gelingt.

Messungen von mit Sendern bestückten Tieren haben ergeben, dass der Mauersegler in seinem bis zu 20 jährigen Leben etwa 4 Millionen Kilometer zurück legen kann oder 97 mal die Erde umkreist, oder er damit 10 mal mit zum Mond gelangen könnte. Schon unmittelbar nach dem Flügge werden ziehen die Jungvögel non-stop bis in den Süden Afrikas.

Bei diesen unglaublichen Leistungen erreicht der Puls des Mauerseglers bei Geschwindigkeiten von  200 km/h etwa 700 Schläge. Sein Blut ist wie ein Superkraftstoff: in 100 ml Blut können etwa 300 mg Blutzucker nachgewiesen werden, der Normwert beim Menschen beträgt 70-100 mg. Auch die Körpertemperatur des Mauerseglers liegt bei für uns tödliche 44 °C.

Mit all diesen Superlativen gehört der tollkühne Mauersegler zu den faszinierendsten Vögeln unserer Breiten.

Evolutionsbiologie 2.0

Montag, Mai 3rd, 2010

150 Jahre nach Darwins Begründung der Evolutionsbiologie wissen wir heute, das Lebewesen keine Effizienz-gesteuerten-Maschinen sind und auch die Natur nicht so nüchtern pragmatisch ist, wie bei Darwins „Survial of the fittest“ vermutet. Man schaue sich nur die manigfaltige Vielfalt an Muschelformen an die uns die Natur geschenkt hat oder die unendliche Palette an Farben im Vogelreich oder die Abermillionen von Blüten eines Kirchbaumes.

Koalabär schläft bis zu 20 Stunden  Foto: Gregor Czodrowski

Koalabär schläft bis zu 20 Stunden | Foto: Gregor Czodrowski

Dies alles existiert nicht aus rein funktionellen Gründen. Immer mehr spricht dafür, dass alle Organismen von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Schon einfache Zellen folgen Werten. Die darwinistische Vorstellung, alles Lebendige sei gleichsam mechanisch von einer egoistischen Gier beherrscht, versagt dieser Thesegegenüber immer häufiger.

Heute wissen wir, dass sich die einst als so messerscharf-kalkulierend angesehene Evolution einige Irrtümer geleistet hat. Es gibt Tierarten, die ganz offensichtlich gar nicht so perfekt zu ihrem Lebensraum passen – und trotzdem erfolgreich seit Jahrmillionen überleben.

Die Strumpfbandnatter Nordamerikas zum Beispiel bevorzugt aus einer Vielzahl möglicher Delikatessen ausgerechnet Molche, die extrem giftig sind. Dafür zahlt sie einen hohen Preis: Das Molchgift versetzt sie nach Vertilgung des Opfers in Zeitlupe, verlangsamt ihre ganzen Lebensabläufe. So betäubt wird das Raubtier selbst zum leichten Opfer. Was jedoch den Artbestand offenbar bislang nicht beeinträchtigt hat.

Koalabären wiederum machen sich mit ihrem erlesenen Geschmack das Leben ganz schön schwer: Nur Blätter bestimmter Eukalyptusbaumarten in bestimmtem Reifegrad verspeisen die australischen Kuscheltier-Gourmets. Das harte, faserige und energiearme Blattwerk können sie nur dank eines gigantischen Blinddarms, eines ständigen Wiederhochwürgens aus dem Magen in den Mundraum sowie einer ganz besonderen Mikroflora im Darm zu Brei zerkleinern. Weil diese kleinen Verdauungshelfer nicht angeboren sind, müssen junge Koalabären einen speziellen Kot ihrer Mutter fressen – als eine Art „probiotischen Joghurtdrink“. Ein enormer Aufwand für eine ökologische Nische. Kein Wunder, dass die armen Tiere bis zu 20 Stunden am Tag schlafen müssen.

Doch bei allen Beispielen wird deutlich: Evolution geht nicht immer gerade Wege, sondern öfter „um die Ecke“. Was für uns Menschen nicht immer Sinn macht. Aber durchweg erfreulich ist: Wer pfiffig oder ausdauernd ist, kommt auch als wenig angepasster Stromlinien-Evolutionär locker Millionen Jahre weiter. Niemand braucht perfekt zu sein, um zu überleben.

Erste Farbtupfer

Donnerstag, April 8th, 2010
Erste Farbtupfer

Erste Farbtupfer

Kaum ist der Schnee verschwunden blühen bereits ab Februar/März die ersten Blumen in unseren heimischen Wäldern, bevor der Frühling auch den Rest unserer Landschaft in ein zartes Grün hüllt. Teppiche der weissen bis violetten Blütenständen des Lerchensporns bedecken den noch kargen Waldboden. Auch zarte Schneeglöckchen, goldgelbes Scharbockskraut, farbige Krokusse und leuchtend weisse Buschwindröschen zaubern erste Farbtupfer in die Landschaft. Doch wo nehmen diese Pflanzen so schnell nach dem Winter ihre Kräfte für ein so explosionsartiges Wachstum her?

Ihre Überlebensstrategie liegt tief verborgen. Die Überdauerungsorgane gefinden sich in Form von Knollen, Zwiebeln und Rhizomen unterhalb der Erde. Solche Pflanzen nennt man Geophythen. Dort speichern sie über den Winter hinweg die angesammelten Nährstoffe der letzten Vegetationsperiode. Steigen die Temperaturen im Frühjahr über den Gefrierpunkt beginnt die Pflanze damit diese für das Wachstum freizusetzen. Neuerlicher Frost schadet ihnen nicht, führt nur zu einem kurzen Aussetzen des Wachstums. Somit nutzen Geophyhten das kurze Zeitfenster, in dem die Temperaturen schon hoch genug zum Wachstums sind, das Laub der Bäume aber noch nicht entwickelt ist und sie somit die volle Energie der Sonne zur Photosynthese nutzen können. Bereits im Mai schließen sie ihren Lebenszyklus ab und überdauern den Rest das Jahres unterirdisch.

Der wundersame Gesang der Zellen

Montag, März 1st, 2010

Vogelgesänge, Grillenzirpen, Walgesänge: Überall in der Natur ist Musik. Nun machten Forscher von der University of California in Los Angeles die Entdeckung, das sogar Zellen durch das Vibrieren ihrer Membrane Töne erzeugen.

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

Von spitzen Schreien über dumpfes Grollen, schmatzende Laute oder leises Säuseln – Zellen können sehr musikalisch sein und besitzen ein ganzes Repertoire von Geräuschen. Mit Hilfe von Nanotechnologie fand man heraus, dass gesunde Hefezellen beispielsweise etwas vollbringen, woran Opernsänger regelmäßig scheitern: Mit ungefähr 1000 Schwingungen pro Minute schaffen sie locker ein hohes C oder D. Kommen sie mit Alkohol in Verbindung, geben sie einen grellen Laut in Cis und D von sich. Auch bei genmanipulierten Hefezellen ändert sich die Klangfarbe, absterbende Zellen brummen nur noch dumpf vor sich hin. Die Wissenschaftler benutzten dazu ein Rasterkraftmikroskop, mit dem man bisher nur Bilder der Zellen erstellt hat, wie den Tonarm eines Plattenspielers. Die Spitze des Mikroskops berührt, ähnlich wie eine Platten-Nadel, ganz leicht die Zelle und kann so ihre Vibrationen messen. Durch einen Computer werden dann die Geräusche, die durch die Vibration entstehen, verstärkt, so dass sie auch für das menschliche Ohr hörbar sind.

Nach dem Versuch mit Hefezellen experimentierten die Biochemiker auch mit Krebszellen. Da sich diese Zellen in ihrer Aktivität von gesunden unterscheiden, geben sie auch andere Töne von sich: Lärm, der wie ein schlecht eingestelltes Radio klingt. Mediziner hoffen nun, mit Hilfe des Klangs auf Basis dieser neuen Messmethode künftig kranke Zellen von gesunden unterscheiden und damit Krankheiten erkennen, oder sogar voraussagen zu können. Gerade in der Krebsforschung wäre dies ein revolutionärer Schritt, da man Krebszellen aufspüren könnte bevor die Krankheit ausbricht. Einen Namen für diesen neuen Wissenschaftszweig hat man auch schon gefunden: “Sonocytology”, die Erforschung der Zellgeräusche. Auch kulturell wird diese neue Entdeckung schon genutzt: die deutsche Medienkünstlerin Anne Niemetz lässt in Zusammenarbeit mit Chemikern Zellen in einem Multimedia-Konzert singen – Titel: “The Dark Side of the Cell” in Anlehnung an Pink Floyds “The Darkness of the Moon”.

Die hat doch ‘ne Meise, die Meise!

Donnerstag, Januar 28th, 2010
Kohlmeise | Bild von Daniel Montanus

Kohlmeise | Bild von Daniel Montanus

Ich bin großer Freund der virtuosen Gesänge unserer heimischen Singvogelelite, wie Heidelerche, Nachtigall oder Singdrossel. Stundenlang könnte ich dem abwechslungsreichen und wunderschön melancholischem Geflöte dieser Meistersänger lauschen und mich inspirieren lassen, so wie sie schon seit Urzeiten uns Menschen zum musizieren und dichten anleiteten. Doch gibt es auch Gesellen unter den gefiederten Freunden, deren  Gesang einfach nur als nervender Lärm deklariert werden kann. Wer kann schon dem Gekrächze einer Krähe etwas schönes abgewinnen. Ein Vogel hat es sich dabei bei mir besonders verscherzt: die Kohlmeise. Mit ihrem harten und lautem “zi-zi däh, zi-zi däh” hat sie mir schon so manches mal im Morgengrauen Schlaf und Nerv geraubt. Doch nicht nur ihr grässlich-penetranter „Gesang“ macht das so possierlich anmutenden Vögelchen zu einem echten Schurken. Verlogen und verdorben ist sie auch. So verscheuchen sie ihre Artgenossen mit vorgetäuschten Warnrufen. Das Futter bleibt ihnen somit allein. Oder sie singen mit „verstellter“ Stimme, um mehrere Reviere für sich zu beanspruchen und Neuankömmlingen vorzulügen, dass diese Reviere schon besetzt sein und ein so gewaltiger Wettbewerb hier herrsche das es gar nicht erst lohne sich hier niederzulassen. Auf ein stolzes Repertoire von 8 verschiedenen Gesängen bringen es die gewiften Trickdiebe dabei. Die Redensart „eine Meise haben“ geht übrigens auf einen alten und weit verbreiteten Volksglauben zurück, demzufolge Geistesgestörtheit durch Nisten von Tieren im Kopf verursacht wird. Auf nistende Vögel gehen auch ähnlichen Redensarten zurück, wie etwa „bei dir piept’s wohl“.

Schwarzer Peter oder harmloser Meistertaucher? Der Kormoran, Vogel des Jahres 2010

Montag, Januar 11th, 2010

Der Kormoran wurde zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Damit möchte man ein Zeichen für den Schutz Meisterfischers setzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu tausenden geschossen und vertrieben wird. Jedes Jahr werden 15.000 Kormorane getötet.

Kormoran | Bild von Fritz Berger

Kormoran | Bild von Fritz Berger

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) aus Deutschland so gut wie verschwunden – das Ergebnis intensiver Verfolgung durch Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund 24.000 Brutpaare. Berufsfischer und Angler versuchten jedoch, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. Doch Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen, damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben.

Die 80 bis 100 Zentimeter gro?en und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne gro?en Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Wei?fische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan. An Fischzuchtanlagen können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Fischteiche können beispielsweise durch das ?berspannen mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden..

Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen und erbeutet dabei pro Tag 300-500 Gramm Fisch. Im Gegensatz zu anderen Wasservögeln, deren Gefieder wasserabweisend eingefettet ist, müssen Kormorane ihr vollgesogenes Gefieder nach jedem Tauchgang von Wind und Sonne trocknen lassen um wieder flugfähig zu sein – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus.

In China und Japan wurden Kormorane früher zum Fangen von Fischen gezähmt. Auch heute wird die Kormoranfischerei mancherorts noch praktiziert. Ein Halsring verhindert das Schlucken der Fische, sie werden nach dem Fang auf dem Boot wieder ausgespuckt. Der Fischer zerteilt einzelne Fische für den hier als Haus- und Nutztier gehaltenen Vogel.

Kormorane nisten gewöhnlich in gro?en Kolonien auf Bäumen. Ihr saurer Kot führt rasch zu einem Absterben der Koloniebäume und prägt somit das charakteristische Koloniebild. Der Kormorankot, der Guano, wird mancherorts als natürlicher Kunstdünger gewonnen. Gro?e Kolonien produzieren über die Jahre Unmengen von Guano, der, da er aus den Resten der Fischmahlzeiten besteht, reich an für das Pflanzenwachstum wichtigen Elementen wie Stickstoff und Phosphor ist. Schon die Inka und andere südamerikanische Völker nutzten den Guano zur Steigerung des Ertrags in der Landwirtschaft. Vor allem von der Westküste Südamerikas wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Millionen Tonnen Guano nach Europa abtransportiert. Da nicht nur der Guano geborgen wurde, sondern auch Eier und Vögel zur Ernährung der Arbeiter herhielten, brachen die Bestände beinahe vollständig zusammen.

Warum heißt der Buchstabe, Buchstabe?

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Vor seiner Besiedelung war Deutschland vorwiegend mit riesigen Rotbuchenwäldern überzogen. So stammt der Name meiner Heimat Westerwald vom germanischen und bedeutet so viel wie Buchenwald.

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist in unseren Gefilden der konkurrenzstärkste Baum und bildet in hiesigen Klimaten das Endstadium der natürlichen Sukzession! Ihre „Waffe“ gegenüber anderen Baumarten ist das extrem dicht stehende Laub ihrer weiten Kronen, weshalb nur wenige Prozent des photosynthese-tauglichen Sonnenlichtes auf den Waldboden treffen. Dadurch haben andere Baumarten kaum eine Chance zu keimen. Die Rotbuche selber ist aber in der Jugend relativ schattentolerant. In dichten Wäldern sterben die unteren Äste sterben aus Lichtmangel früh ab. Der Kronenansatz liegt hier häufig erst im obersten Drittel also in 10 bis 20 m Höhe. In Zusammenhang mit dem dichten Blätterdach entstehen so schattige Hallenwälder. Viele Kirchenschiffe, wie etwa das des Kölner Doms, sind dieser Struktur nachempfunden.

In diesen dichten Wäldern lebten einst die Germanen. Sie schnitzen Holzscheiter aus Buchenholz und ritzten dort ihre Schriftzeichen, die Runen, hinein. Diese Runenstäbchen (*boks) lies man auf den Boden fallen, um sie dann auf-„zulesen“ und als Orakel für wichtige Entscheidungen zu benutzen. Von diesen kultisch wichtigen Buchen-Stäben leitet sich das Wort Buchstabe ab. Das Wort Buch kommt vom althochdeutschen „buoh“, einer Holzschreibtafel aus Buche.

Wie heißt die Frau vom Hirsch?

Freitag, November 6th, 2009

Walt Disney ist an allem schuld. An der Bambi-Mentalität und dass der Durchschnittsdeutsche den Unterschied zwischen Hirsch und Reh nicht kennt.

Rehkitz | Bild von Horst Grasser

Rehkitz | Bild von Horst Grasser

Als Disney 1942 nach sieben Jahren Arbeit seinen Zeichentrickfilm in die Kinos brachte, konnte niemand ahnen, dass „Bambi“ eine kleine Kulturrevolution auslösen würde. Dabei floppte der Film anfangs sogar und der Produzent blieb auf seinen Kosten sitzen. Es dauerte einige Jahre, bis sich herausstellte, dass er mit Bambi eines seiner bedeutendsten Werke geschaffen hatte. Dabei hat Disney die Geschichte noch nicht einmal selbst erfunden, sondern die Rechte dem österreichischen Schriftsteller und passionierten Jäger Felix Salten abgekauft.

Dieser publizierte 1923 einen Roman, in dem ein kleines Rehkitz namens Bambi die Hauptrolle spielte. Der Roman war so erfolgreich, dass er wenige Jahre später für den amerikanischen Buchmarkt ins Englische übersetzt wurde. Und da es in der Neuen Welt keine Rehe gibt, wurde aus dem jungen Rehbock flugs ein kleiner Weißwedelhirsch. In der deutschen Synchronfassung des Kinostreifens, der Anfang der 50er Jahre sozusagen re-importiert wurde, verwandelte sich Junghirsch Bambi wieder ein Rehkitz, Bambis Vater blieb jedoch ein amerikanischer Weißwedelhirsch. Seitdem ist die Verwirrung perfekt und viele Deutsche glauben, dass das Reh die Frau des Hirschs sei.

Hier sei nun noch einmal ein für alle Mal klargestellt: Bei den fast pferdegroßen Hirschen heißt das Weibchen Hirschkuh! Bei den nur etwa hundegroßen Rehen heißt das Weibchen Ricke!