Der Rote Gitterling
Dienstag, März 8th, 2011Dieses Geschöpf sieht eher aus wie eine Mischung aus einem umgestülpten Einkaufnetz und einem Alien aus einem Sciencefiction-Film: der Rote Gitterling. Ihm würde jüngst die „schwerlich abzustreitende“ Ehre zu Teil, sich Pilz des Jahres nennen zu dürfen. Grund genug sich die außerirdisch-anmutende Kreatur einmal näher anzuschauen.
Mit seiner tennisballgroßen, fleischroten Gitterkugel ist der Rote Gitterling kaum zu übersehen, doch auf den ersten Blick nicht wirklich als Pilz identifizierbar. Der rote Fruchtkörper schiebt sich aus einer schmutzig-weissen Hülle, dem sogenannten Hexenei. Man findet ihn meist auf Friedhöfen, Gärten oder Parkanlagen. Er ist jedoch äußerst selten: eine bundesweite Pilzkartierung verzeichnete gerade mal 90 Funde.
Eine weitere Besonderheit des Pilzes ist die Tatsache, dass der Gitterkugel nach ihrer Entfaltung ein fürchterlich stinkender Aasgeruch entströmt. Der Grund für diesen widerlichen Gestank liegt in seiner Vermehrungsstrategie begründet. Die meisten Pilzarten verbreiten ihre Sporen durch den Wind, doch beim Roten Gitterling hat sich im Laufe der Evolution eine raffinierte Strategie entwickelt, die die Sporenverbreitung nicht mehr dem Zufall überlässt: Durch die knallrote Farbe und den Aasgeruch wird gezielt die Lieblingsspeise der Schmeißfliegen imitiert, nämlich verwesendes Fleisch. Auf der Innenseite der Gitterkugel befindet sich die grünliche Sporenmasse, die durch die angelockten Fliegen gierig aufgesaugt wird. Somit ist die gezielte Sporenverbreitung gesichert. Die Pilzsporen werden im Verdauungstrakt der Insekten transportiert und landen nach der Ausscheidung wieder auf Erde, wo sie auskeimen.
Der Rote Gitterling ernährt sich von totem organischem Material. Der eigentliche Organismus lebt im Verborgenen, seine langen Pilzfäden durchziehen das Erdreich. Hier kann sich der Pilz lange Zeit aufhalten, ohne dass wir seine Präsenz bemerken. Dies trifft übrigens auf alle Pilzarten zu. Nur die Fruchtkörper verlassen das Erdreich, welche wir dann gemeinhin als Pilze auf dem Waldboden identifizieren.. Der größte bekannte Pilz der Welt ist ein Hallimasch. Er befindet sich in Oregon und wird mit einer Ausdehnung von über 880 Hektar als das größte bekannte Lebewesen der Erde betrachtet. Der rund 2400 Jahre alte Pilz hat ein geschätztes Gewicht 600 Tonnen.
Nachdem Pilze wegen ihrer sesshaften Lebensweise lange dem Reich der Pflanzen zugeordnet wurden, gelten sie heute aufgrund ihrer physiologischen und genetischen Eigenschaften als eigenes Reich und enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Pilze ernähren sich wie Tiere von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung, die sie meist durch Abgabe von Enzymen aufschließen und dadurch löslich und für sich verfügbar machen.
Die Abgrenzung vom Reich der Tiere erfolgt nicht primär durch die Unbeweglichkeit der Pilze, da auch manche Tiere wie Schwämme oder Steinkorallen den größten Teil ihres Lebens ortsfest verbringen. Vielmehr unterscheiden sich Pilze von Tieren hauptsächlich auf zellulärer Ebene dadurch, dass Pilzzellen im Gegensatz zu tierischen Zellen Zellwände besitzen. Von den Pflanzen unterscheiden sich die Pilze vor allem durch das Fehlen der Photosynthese.





