Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Archiv für die ‘Naturblock Magazin’ Kategorie

Der Rote Gitterling

Dienstag, März 8th, 2011

Dieses Geschöpf sieht eher aus wie eine Mischung aus einem umgestülpten Einkaufnetz und einem Alien aus einem Sciencefiction-Film: der Rote Gitterling. Ihm würde jüngst die „schwerlich abzustreitende“ Ehre zu Teil, sich Pilz des Jahres nennen zu dürfen. Grund genug sich die außerirdisch-anmutende Kreatur einmal näher anzuschauen.

Mit seiner tennisballgroßen, fleischroten Gitterkugel ist der Rote Gitterling kaum zu übersehen, doch auf den ersten Blick nicht wirklich als Pilz identifizierbar. Der rote Fruchtkörper schiebt sich aus einer schmutzig-weissen Hülle, dem sogenannten Hexenei. Man findet ihn meist auf Friedhöfen, Gärten oder Parkanlagen. Er ist jedoch äußerst selten: eine bundesweite Pilzkartierung verzeichnete gerade mal 90 Funde.

Eine weitere Besonderheit des Pilzes ist die Tatsache, dass der Gitterkugel nach ihrer Entfaltung ein fürchterlich stinkender Aasgeruch entströmt. Der Grund für diesen widerlichen Gestank liegt in seiner Vermehrungsstrategie begründet. Die meisten Pilzarten verbreiten ihre Sporen durch den Wind, doch beim Roten Gitterling hat sich im Laufe der Evolution eine raffinierte Strategie entwickelt, die die Sporenverbreitung nicht mehr dem Zufall überlässt: Durch die knallrote Farbe und den Aasgeruch wird gezielt die Lieblingsspeise der Schmeißfliegen imitiert, nämlich verwesendes Fleisch. Auf der Innenseite der Gitterkugel befindet sich die grünliche Sporenmasse, die durch die angelockten Fliegen gierig aufgesaugt wird. Somit ist die gezielte Sporenverbreitung gesichert. Die Pilzsporen werden im Verdauungstrakt der Insekten transportiert und landen nach der Ausscheidung wieder auf Erde, wo sie auskeimen.

Der Rote Gitterling ernährt sich von totem organischem Material. Der eigentliche Organismus lebt im Verborgenen, seine langen Pilzfäden durchziehen das Erdreich. Hier kann sich der Pilz lange Zeit aufhalten, ohne dass wir seine Präsenz bemerken. Dies trifft übrigens auf alle Pilzarten zu. Nur die Fruchtkörper verlassen das Erdreich, welche wir dann gemeinhin als Pilze auf dem Waldboden identifizieren.. Der größte bekannte Pilz der Welt ist ein Hallimasch. Er befindet sich in Oregon und wird mit einer Ausdehnung von über 880 Hektar als das größte bekannte Lebewesen der Erde betrachtet. Der rund 2400 Jahre alte Pilz hat ein geschätztes Gewicht 600 Tonnen.

Nachdem Pilze wegen ihrer sesshaften Lebensweise lange dem Reich der Pflanzen zugeordnet wurden, gelten sie heute aufgrund ihrer physiologischen und genetischen Eigenschaften als eigenes Reich und enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Pilze ernähren sich wie Tiere von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung, die sie meist durch Abgabe von Enzymen aufschließen und dadurch löslich und für sich verfügbar machen.

Die Abgrenzung vom Reich der Tiere erfolgt nicht primär durch die Unbeweglichkeit der Pilze, da auch manche Tiere wie Schwämme oder Steinkorallen den größten Teil ihres Lebens ortsfest verbringen. Vielmehr unterscheiden sich Pilze von Tieren hauptsächlich auf zellulärer Ebene dadurch, dass Pilzzellen im Gegensatz zu tierischen Zellen Zellwände besitzen. Von den Pflanzen unterscheiden sich die Pilze vor allem durch das Fehlen der Photosynthese.

Der Zug der Kraniche: Boten der Veränderung

Dienstag, Februar 15th, 2011

Die „Vögel des Glücks“ ziehen wieder! Gestern zogen, wie jedes Frühjahr, tausende Kraniche in aerodynamischer Keilformation über mein Studio und brachten den Frühling im Gepäck mit.

Die anmutigen Vögel ziehen jedes Jahr im Herbst von ihren Brutgebieten in Skandinavien, Polen, den baltischen Staaten oder auch Nord- und Ostdeutschland in sehr schmalen Zugkorridoren gen Süden, um etwa in den Stileichenwäldern der spanischen Extremadura zu überwintern; im Zuge der Klimaerwärmung aber teilweise auch nur noch bis Südfrankreich.

Während der weltweite Kranichbestand stark rückläufig ist, erholen sich die europäischen Bestände dank intensiver Schutzbemühungen prächtig. So treten hier mittlerweile jedes Jahr etwa 150000 Vögel die weite Reise in die warme Winterresidenz an. Dabei versammeln sie sich vor dem großen Abflug an traditionellen Sammel-Rastplätzen, wie etwa an der Müritz, im Odertal, der Vorpommerschen-Boddenlandschaft oder auf Rügen. Jeden Abend treffen die einzelnen Trupps von den umliegenden Äckern ein, wo sie dann gemeinsam in seichten Gewässern übernachten.

Dadurch, dass die grossen Vögel (Spannweite 2,20 m) nicht höher als 100 Meter über dem Boden fliegen und ihr Zug von lautem melancholischem Trompeten begleitet ist, gehört der Kranichzug zu einem der bewegendsten Naturerlebnissen in hiesigen Gefilden. Wer genau hin hört, kann in dem Trompetenwirrwarr auch piepsige Stimmen erkennen, wie etwa von Singvögeln. Dabei handelt es sich um Jungvögel, die erst noch in den “Stimmbruch” kommen müssen.  Die Altvögel verdanken ihr gewaltiges Stimmvolumen dem besonderen Bau und der enormen Länge ihrer Luftröhre. Sie kann bis zu 1,30 Meter messen.

Kraniche sind sehr soziale Tiere. Sie verbringen meist ihr gesamtes Leben mit dem selben Partner und halten sich während des Zuges in Familienverbänden auf. Doch wie bei uns Menschen, gibt es auch hier Ausnahmen zu dieser Dauerehe.

Bis zum Brutbeginn im März, führen die Paare früh am Morgen ihre spektakulären Balztänze auf. Die  phantasievollen Tanzfiguren sind geprägt durch Sprünge, Flügelschlagen, Zickzackläufe und Imkreisrennen. Dabei werden auch Pflanzenteile, Stöcke und Steine in die Luft geworfen. Gebrütet wird dann vorzugsweise in sumpfigen Bruchwäldern, in denen das Nest, von Wasser umschlossen, vor Feinden sicher ist, wie etwa dem schlauen Fuchs.

Kraniche erreichen fast die Größe eines Menschen und mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren auch ein annäherndes Alter. Diese humanoiden Eigenschaften, gepaart mit ihrer Schönheit und Eleganz führten dazu, dass die großen Vögel in der Mythologie, in der Literatur und in der Poesie vieler Völker eine bedeutende Rolle spielen – als Frühlingsboten und Glücksvögel, Göttervogel, Symbol für Wachsamkeit und Klugheit und Sinnbild für Treue und ein langes Leben. Auf Grund dieser kulturellen Omnipräsens spielt der Kranich auch etymolgoisch eine interessante Rolle: So leitet sich etwa der Name einer langhalsigen Hebevorrichtung, auch als Kran bekannt, von dem Vergleich zu dem schlangenartigen Hals eines Kranichs ab. Auch eine seiner Nahrungen, die „Cranberry“, verdankt dem Vogel ihren Namen.

Im Herbst werden mich die majestätischen Vögel wieder trompetend an meinem Studio grüßen, und mit ihrem feinen meteorologischem Gespür das Ende des Jahres einläuten…

Die Täuschungs-Blume

Donnerstag, Januar 13th, 2011

Mit etwas Glück findet man in unseren Gefilden eine wunderschöne Orchidee mit prachtvollen Blüten: die Ragwurz. Betrachtet man ihre farbenfrohen, großen Blüten genauer, meint man in ihrer Mitte ein sitzendes Insekt zu erkennen…

Doch dies ist nur Teil ihrer raffinierten Bestäubungstaktik. Denn die Blütenlippe stellt die Nachahmung eines weiblichen Insekts dar. Männliche Insekten lassen sich täuschen und übertragen den Pollen während einer sogenannten Pseudokopulation von einer Pflanze zur nächsten.. Dieses Phänomen wird Sexualtäuschung genannt. Verblüffende Details, wie Fühler und Flügel, werden dabei von der Orchidee nachgeahmt. Die Spiegel-Ragwurz imitiert zum Beispiel mit ihren blau-glänzenden Blütenlippen sogar die blau-schillernden Flügel der Campsoscolia-Wespenweibchen, ihrer Bestäuber-Art.

So besitzt jede einzelne Ragwurzart ein ganz spezielles Insekt, welches für die Bestäubung sorgt, wie man auch an ihren Artnamen erkennt: Wespen-Ragwurz, Fliegen-Ragwurz, Spinnen-Ragwurz , Hummel-Ragwurz oder Bienen-Ragwurz.

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Schneeflocken – Schönheit die vom Himmel fällt

Donnerstag, Dezember 9th, 2010
Schneeflocken - Schönheit die vom Himmel fällt

Schneeflocken - Schönheit die vom Himmel fällt

Heute stapfte ich durch den tiefen Schnee im gefrierschrankkalten Westerwald und erfreute mich an dem Funkeln von Millionen von Schneeflocken, die Nachts vom Himmel vielen und nun im  gleißenden Sonnenlicht um die Wette glitzerten. Schaut man sich die funkelnde Pracht genauer an, erblickt man filigrane Kunstwerke. Gehen wir der Sache mal auf den Grund:

Schnee entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers an Kristallisationskeimen, zum Beispiel Staubteilchen, anlagern und dort gefrieren. Die dabei entstehenden Eiskristalle fallen durch zunehmendes Gewicht nach unten und wachsen durch den Unterschied des Dampfdrucks zwischen Eis und unterkühltem Wasser weiter an.

Schneekristalle haben auf Grund der natürlichen Anordnung der Wassermoleküle immer sechs Arme bzw. Seitenflächen. Obwohl dem Schneekristall immer diese hexagonale Form zugrunde liegt, ist die Mannigfaltigkeit der Kristallformen sehr groß.

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Das Bärtierchen, ein Minibär als Auferstehungskünstler

Dienstag, November 23rd, 2010
Ein Bärtierchen

Ein Bärtierchen

Sie sind winzig klein, dreimal so klein wie ein Floh, meist nicht einmal ein Millimeter, doch haben sie Muskeln, Augen, Magen, Mund, Nerven etc. wie alle höheren Tiere. Sie sehen aus wie aus einer anderen Welt: Eine Gestalt, die einem zerknautschten Staubsaugerbeutel ähnelt. Die achtbeinigen Tiere mit ihren scharfen Krallen erinnern durch ihr Aussehen und ihre tapsig wirkende Fortbewegungsweise etwas an Teddybären in Miniaturversion, was ihnen auch ihren deutschen Namen eingetragen hat.

Die auch Wasserbären genannten Miniteddys leben besonders häufig in feuchten Mooskissen, man findet sie aber auf der ganzen Welt, in Ozeanen, Seen, Eis oder anderen nassen Lebensräumen. Bärtierchen reisen mit dem Wind, auf Vogelfedern, mit Wasserströmungen, auf Algen. So haben sie Biotope erobert, vor denen es anderen Lebewesen zu Recht schaudert: 6000 Meter hohe Himalaya-Berge, den Boden der Ozeane in 4500 Meter Tiefe, heiße Quellen in Japan, Gletscher in Grönland. Bärtierchen können sich sowohl vom Inhalt von Pflanzenzellen ernähren als auch räuberisch von kleinen Tieren. Dazu stechen sie ihre Beute an und saugen sie mit ihrem staubsaugerartigem Maul aus.

Das mirakulöseste an diesen kleinen Kerlchen ist aber die Tatsache, dass sie sich von extremen Umweltbedingungen nicht unterkriegen lassen. Trocknet ihr Lebensraum aus, ergreifen sie nicht etwa die Flucht, sondern lassen sich selber austrocknen. Nahezu die gesamte Körperflüssigkeit schwindet, übrig bleiben nur noch faltige Klumpen, sogenannte Tönnchen. In diesem Zustand kommt der Stoffwechsel völlig zum Erliegen, sind also medizinisch tot. Doch dies ist nicht ihr bitteres Ende, im Gegenteil: Sie nutzen sogar diesen zusammengefalteten Scheintot für Ferntransporte per Wind in neue Lebensräume.

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Superschnecke mit Solarantrieb

Mittwoch, Oktober 6th, 2010
Superschnecke mit Solarantrieb

Superschnecke mit Solarantrieb

Normalerweise ist es ja so, das Tiere sich rein von anderen tierischen und pflanzlichen Organismen ernähren, während Pflanzen energiereiche Stoffe mit Hilfe von Lichtenergie erzeugen können: der Photosynthese.

Jetzt aber haben amerikanische Forscher dieses Unterscheidungsmerkmal von Tier und Pflanze auf den Kopf gestellt. Sie haben doch tatsächlich ein Tier gefunden, das auch Photosynthese betreiben kann!

Sie fanden eine herrlich grüne Meeresschneckenart, mit dem wohlklingendem Namen  Elysia chlorotica, die am Anfang ihres Lebens  Algen frisst.  Diese Algen verdaut die Schnecke dann aber  nicht vollständig, sondern baut die grünen Farbkörperchen in die Zellen rund um ihren Verdauungstrakt ein. Das Erstaunliche ist, dass das Tier nun tatsächlich mit diesen weiterlebenden “Plastiden” dazu in der Lage ist, mittels Sonnenlicht, Kohlendioxid und Wasser in energiereiche Zuckerverbindungen umzuwandeln.

Je mehr Algen die Schnecke frisst, desto grüner wird sie. Dass sie dadurch nicht nur gut getarnt ist, sondern sogar vom aktiven Dasein in ein mehr oder weniger vegetatives Stadium übergeht, ist eine echte Sensation. Damit ist Eylsia das einzig bekannte Tier der Erde das Photosynthese betreiben kann!

Hat das Tier sich erst einmal schön grün gefressen, kann sie bis zu 10 Monate ohne Nahrung auskommen. Sie lebt dann einfach von Wasser und der Energie, die das Grün in ihrem Inneren durch die Umwandlung von Licht liefert. Sie ist nun eine Art Superschnecke mit Solarantrieb!

Irgendwann im Laufe der Evolution hat das Tier aber mindestens eines der Photosynthese-Gene aus Grünalgen in ihr eigenes Erbgut eingebaut. Erst diese Gene ermöglichen es ihr, die gestohlenen Farbkörperchen zur Photosynthese anzutreiben. Ein solcher Gentransfer von Pflanze zu Tier war bisher auch wissenschaftliches Neuland.

Der Ameisenlöwe

Freitag, September 3rd, 2010
Der Ameisenlöwe

Der Ameisenlöwe

Bei meiner heutigen Wanderung durch die wunderschöne Lüneburger Heide, konnte ich vielerorts merkwürdige, kreisförmige Trichter im Sand entdecken. Bei genauer Betrachtung erspähte ich zwei gefährlich anmutende Zangen am Grund des Bauwerkes. Sie gehören einem skurrilen Wesen: dem Ameisenlöwen, der, nebenbei bemerkt, den Titel Insekt des Jahres 2010 trägt.

Der Ameisenlöwe ist eine räuberische Insektenlarve, die Ameisen und andere kleine Tiere mit einer verblüffenden Methode fängt: Er baut im sandigen Boden raffiniert-konstruierte Trichterfallen. Wenn Beute dort hineinläuft, kommt sie nicht wieder heraus, weil sie mit dem lockeren Sand der steilen Trichterhänge zum Grund rutscht. Dort wartet eingebuddelt der Ameisenlöwe mit seinen kräftigen Kieferzangen und injiziert ein lähmendes Gift. Versucht ein Beutetier zu fliehen, so bewirft der Ameisenlöwe das Opfer mit gezielten Sandwürfen, die das Abrutschen fördern.

Die bräunlichen Killer-Larven häuten sich zweimal, bis sie sich im Sand in einen Kokon einspinnen und verpuppen. Die gesamte Entwicklung dauert etwa zwei Jahre. Im Sommer schlüpft das erwachsene Tier, das wie so häufig bei Insekten ganz anders als die Larve aussieht. Die sogenannte Ameisenjungfer ähnelt einer Libelle, unterscheidet sich aber auf Anhieb durch ihre längeren Fühler.

Zum Trichterbau braucht der Ameisenlöwe höchstens eine halbe Stunde. Dazu gräbt er erst einen runden Graben, den er weiter nach innen vertieft, indem er mit seinen Zangen den Sand bis zu 30 Zentimeter weit wirft. Der Trichter muss so steil sein, dass der lockere Sand sich sofort in Bewegung setzt, wenn ein Insekt darauf tritt.

Die Vorstellung eines in unwirtlicher Umgebung im Sand verborgenen Lauerjägers hat schon in der der Antike und im Mittelalter die Phantasie der Menschen angeregt. So finden sich zahlreiche Mythen aus dieser Zeit und gar biblische Erwähnungen. In heutiger Zeit sind es Film-Monster, deren Entstehung gelegentlich durch Ameisenlöwen inspiriert wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der Sarlacc in Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter, ein uraltes menschenfressendes Monster, das in einem Trichter eingegraben in der Wüste lebt und nach außen nur sein zahn- und tentakelbewehrtes Maul zeigt. Neben weiteren „Hollywood“-Auftritten ist das Insekt auch Inspirationsquelle für Charaktere vieler Computerspiele, wie etwa Final Fantasy oder Pokémon.

Minikolibris in unseren Gärten

Dienstag, August 3rd, 2010

Immer wieder berichten mir Leute ganz aufgeregt von außergewöhnlichen „Minikolibris“ die sie schwirrende an ihren Balkonkästen oder Gärten gesichtet haben. Tatsächlich handelt es sich aber bei den vermeintlichen Kolibrisichtungen um eine sehr schnell und wendig fliegende Nachtfalterart: dem Taubenschwänzchen, wessen Name sich von einem Haarbüschel am Hinterleibsende ableitet, der den Schwanzfedern einer Taube ähnelt.

Einem Kolibri gleich stehen die tagaktiven Falter im raschen Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel Nektar. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Sogar kleinste, durch Wind verursachte, Pflanzenbewegungen, können sie perfekt durch ihren Flug kompensieren, so dass ihre Position zur Blüte immer konstant bleibt. Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt dabei etwa 70 bis 90 Schläge in der Sekunde. Im Flug können sie flotte 80 km/h erreichen!

Durch ihr hektisches Flugverhalten ist der Energieverbrauch der Falter enorm hoch. Sie benötigen jeden Tag fast das doppelte ihres Eigengewichtes an Nahrung, etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen.  Die Tiere nutzen ein großes Futterangebot so aus, dass sie kurze Wege fliegen und nacheinander die Blüten einer Pflanze mit für sie typisch ruckartigen Bewegungen abfliegen, um dann zur nächsten Pflanze weiterzufliegen.

Die flinken Schwärmer sind nicht wählerisch und fliegen die Blüten dutzender Pflanzenarten an. Dies hat den Vorteil, dass sie zu jeder Jahreszeit das vorliegende Angebot an Nektarquellen optimal ausnutzen können. Sie bevorzugen aber nektarreiche Blüten, die lange und schmale Blütenkelche haben. Bei diesen ist die Konkurrenz anderer Nektar suchender Insekten geringer.

Die pfiffigen Falter lernen, an welchen Blüten sie genügend Nektar finden können, sammeln also Erfahrungen beim Blütenanflug. Die Anpassungsfähigkeit durch Lernen wird damit begründet, dass Taubenschwänzchen im Laufe ihres etwa viermonatigen Lebens große Distanzen über mehrere Klimazonen zurücklegen und dabei mit Vegetationsänderungen zurechtkommen müssen. Denn Taubenschwänzchen sind Wanderfalter und erschließen in den Sommer- bzw. Wintermonaten durch ihren ausdauernden Flug neue Areale. Die Tiere legen dabei,  ähnlich wie die Zugvögel, große Distanzen zurück und können bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.

Beachtenswert ist auch ihr Erinnerungsvermögen. Sie kehren Tag für Tag an reichhaltige Nektarquellen zurück, ebenso bleiben sie ihren Ruhe- und Schlafplätzen oft ein ganzes Falterleben lang treu.

Der feenhafte Tanz der Glühwürmchen

Mittwoch, Juli 7th, 2010

In lauen Sommernächten kann man vielerorts das zauberhafte, feenhafte Spiel der Leuchtkäfer beobachten! Mit ihrem Hinterleib können die Käfer ein schwaches, kaltes Licht erzeugen, etwa ein tausendstel so hell wie das einer Kerze. Da die Weibchen der meisten Arten keine Flügel besitzen und eine wurmartige Gestallt haben, werden die Käfer im Volksmund auch Glühwürmchen genannt.

Leuchtkäfer

Leuchtkäfer

Das grünliche Leuchten, Biolumineszenz genannt, entsteht durch eine chemische Reaktionen von Proteinen. Dabei werden 95 % der Energie in Leuchtkraft umgesetzt; Werte von denen jeder Glühbirnenhersteller nur träumen kann.

In den meisten Fällen werden die Leuchtsignale ausgesendet, damit männliche und weibliche Tiere zur Paarung zueinanderfinden. Die Signale selbst sind ganz unterschiedlich. Bei manchen Arten besitzen nur die Weibchen Leuchtorgane, bei anderen beide Geschlechter. Manche Arten blinken, andere senden Dauerlicht aus. Die Signale sind arttypisch und unterscheiden sich in Länge und Rhythmus. Somit kann jeder Käfer artspezifische „Morsezeichen“ in die Luft malen. Bei einigen Arten synchronisieren alle Käfer der Umgebung ihre Blinksignale, sodass ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt blinken!

Weibchen einer bestimmten Leuchtkäfergattung können die Blinksignale von Weibchen anderer Arten nachahmen. Damit locken sie Männchen der fremden Art an, um sie zu verspeisen. Einige Arten dieser gewieften Killer besitzen gar ein ganzes Repertoire von Signalen unterschiedlicher Arten, je nachdem, welche Art gerade unterwegs ist…

Dieses Wunderwerk der Biolumineszenz hat jedoch auch einen hohen Preis. Denn das freudige Blinken finden nicht nur die potentiellen Partner toll, sondern auch Fressfeinde! Jede Nacht begibt sich der Leuchtkäfer somit auf ein dünnes Drahtseil zwischen Sex und Tod. Bei ihrem nächtlichen Flug zwischen Romantik und Risiko ist es deshalb wichtig, nicht zu sehr mit dem hübschen Geblinke zu prahlen, sonst wird’s ganz schnell dunkel…

Der tollkühne Mauersegler

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

Mit ihren durchdringenden „sriih-sriih“-Rufen verbreiten Mauersegler dieses herrliche Sommerfeeling in den Städten. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu über 200 km/h jagen die Trupps durch die Häuserschluchten. Der rasante Flieger hat sich in Städten und zunehmend auch Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter Dächern und in Gebäudenischen geeignete Wohnstuben findet.

Mauersegler | Bild German-Kunst

Mauersegler | Bild German-Kunst

Nur zur Brut begibt sich der Mauersegler auf festen Boden. Die übrige Zeit seines Lebens verbringt er komplett in der Luft. Er frisst in der Luft, trinkt in der Luft, schläft in der Luft, betreibt Körperpflege in der Luft und vermag sogar die Paarung im Flug zu erledigen. Dank seiner sehr langen, sichelförmigen Flügel, einem kurze Schwanz und eines abgeflachten Kopfes bringt er die perfekten aerodynamischen Vorraussetzungen für das Leben in der Luft mit. Auf Grund seiner Wendigkeit kann er Insekten und Spinnen spielend aus der Luft fischen. Über ruhigem Wasser trinkt er während des Fluges oder nimmt ein Duschbad, indem er mit Hilfe des Schnabels das Wasser aufspritzt. Zum Schlafen steigt er auf in warme Luftschichten bis zu 3600 Meter. Dort schläft er in einer Art Gleitflug.

Der Körper des Seglers ist derart an das Leben in der Luft angepasst, dass er nur noch verkümmerte Klammerfüße hat um sich an den Nestern unter Gebäuden, oder wie ursprünglich, in Felsen und Klippen festzuhalten. Landet ein Mauersegler doch einmal auf dem Boden, ist er nur noch ein hilfloser Krabbler, da er kaum noch Laufen kann und auch der Start nur mit Mühe gelingt.

Messungen von mit Sendern bestückten Tieren haben ergeben, dass der Mauersegler in seinem bis zu 20 jährigen Leben etwa 4 Millionen Kilometer zurück legen kann oder 97 mal die Erde umkreist, oder er damit 10 mal mit zum Mond gelangen könnte. Schon unmittelbar nach dem Flügge werden ziehen die Jungvögel non-stop bis in den Süden Afrikas.

Bei diesen unglaublichen Leistungen erreicht der Puls des Mauerseglers bei Geschwindigkeiten von  200 km/h etwa 700 Schläge. Sein Blut ist wie ein Superkraftstoff: in 100 ml Blut können etwa 300 mg Blutzucker nachgewiesen werden, der Normwert beim Menschen beträgt 70-100 mg. Auch die Körpertemperatur des Mauerseglers liegt bei für uns tödliche 44 °C.

Mit all diesen Superlativen gehört der tollkühne Mauersegler zu den faszinierendsten Vögeln unserer Breiten.