Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Archiv für die ‘Naturblock Magazin’ Kategorie

Minikolibris in unseren Gärten

Dienstag, August 3rd, 2010

Immer wieder berichten mir Leute ganz aufgeregt von außergewöhnlichen „Minikolibris“ die sie schwirrende an ihren Balkonkästen oder Gärten gesichtet haben. Tatsächlich handelt es sich aber bei den vermeintlichen Kolibrisichtungen um eine sehr schnell und wendig fliegende Nachtfalterart: dem Taubenschwänzchen, wessen Name sich von einem Haarbüschel am Hinterleibsende ableitet, der den Schwanzfedern einer Taube ähnelt.

Einem Kolibri gleich stehen die tagaktiven Falter im raschen Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel Nektar. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Sogar kleinste, durch Wind verursachte, Pflanzenbewegungen, können sie perfekt durch ihren Flug kompensieren, so dass ihre Position zur Blüte immer konstant bleibt. Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt dabei etwa 70 bis 90 Schläge in der Sekunde. Im Flug können sie flotte 80 km/h erreichen!

Durch ihr hektisches Flugverhalten ist der Energieverbrauch der Falter enorm hoch. Sie benötigen jeden Tag fast das doppelte ihres Eigengewichtes an Nahrung, etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen.  Die Tiere nutzen ein großes Futterangebot so aus, dass sie kurze Wege fliegen und nacheinander die Blüten einer Pflanze mit für sie typisch ruckartigen Bewegungen abfliegen, um dann zur nächsten Pflanze weiterzufliegen.

Die flinken Schwärmer sind nicht wählerisch und fliegen die Blüten dutzender Pflanzenarten an. Dies hat den Vorteil, dass sie zu jeder Jahreszeit das vorliegende Angebot an Nektarquellen optimal ausnutzen können. Sie bevorzugen aber nektarreiche Blüten, die lange und schmale Blütenkelche haben. Bei diesen ist die Konkurrenz anderer Nektar suchender Insekten geringer.

Die pfiffigen Falter lernen, an welchen Blüten sie genügend Nektar finden können, sammeln also Erfahrungen beim Blütenanflug. Die Anpassungsfähigkeit durch Lernen wird damit begründet, dass Taubenschwänzchen im Laufe ihres etwa viermonatigen Lebens große Distanzen über mehrere Klimazonen zurücklegen und dabei mit Vegetationsänderungen zurechtkommen müssen. Denn Taubenschwänzchen sind Wanderfalter und erschließen in den Sommer- bzw. Wintermonaten durch ihren ausdauernden Flug neue Areale. Die Tiere legen dabei,  ähnlich wie die Zugvögel, große Distanzen zurück und können bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.

Beachtenswert ist auch ihr Erinnerungsvermögen. Sie kehren Tag für Tag an reichhaltige Nektarquellen zurück, ebenso bleiben sie ihren Ruhe- und Schlafplätzen oft ein ganzes Falterleben lang treu.

Der feenhafte Tanz der Glühwürmchen

Mittwoch, Juli 7th, 2010

In lauen Sommernächten kann man vielerorts das zauberhafte, feenhafte Spiel der Leuchtkäfer beobachten! Mit ihrem Hinterleib können die Käfer ein schwaches, kaltes Licht erzeugen, etwa ein tausendstel so hell wie das einer Kerze. Da die Weibchen der meisten Arten keine Flügel besitzen und eine wurmartige Gestallt haben, werden die Käfer im Volksmund auch Glühwürmchen genannt.

Leuchtkäfer

Leuchtkäfer

Das grünliche Leuchten, Biolumineszenz genannt, entsteht durch eine chemische Reaktionen von Proteinen. Dabei werden 95 % der Energie in Leuchtkraft umgesetzt; Werte von denen jeder Glühbirnenhersteller nur träumen kann.

In den meisten Fällen werden die Leuchtsignale ausgesendet, damit männliche und weibliche Tiere zur Paarung zueinanderfinden. Die Signale selbst sind ganz unterschiedlich. Bei manchen Arten besitzen nur die Weibchen Leuchtorgane, bei anderen beide Geschlechter. Manche Arten blinken, andere senden Dauerlicht aus. Die Signale sind arttypisch und unterscheiden sich in Länge und Rhythmus. Somit kann jeder Käfer artspezifische „Morsezeichen“ in die Luft malen. Bei einigen Arten synchronisieren alle Käfer der Umgebung ihre Blinksignale, sodass ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt blinken!

Weibchen einer bestimmten Leuchtkäfergattung können die Blinksignale von Weibchen anderer Arten nachahmen. Damit locken sie Männchen der fremden Art an, um sie zu verspeisen. Einige Arten dieser gewieften Killer besitzen gar ein ganzes Repertoire von Signalen unterschiedlicher Arten, je nachdem, welche Art gerade unterwegs ist…

Dieses Wunderwerk der Biolumineszenz hat jedoch auch einen hohen Preis. Denn das freudige Blinken finden nicht nur die potentiellen Partner toll, sondern auch Fressfeinde! Jede Nacht begibt sich der Leuchtkäfer somit auf ein dünnes Drahtseil zwischen Sex und Tod. Bei ihrem nächtlichen Flug zwischen Romantik und Risiko ist es deshalb wichtig, nicht zu sehr mit dem hübschen Geblinke zu prahlen, sonst wird’s ganz schnell dunkel…

Der tollkühne Mauersegler

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

Mit ihren durchdringenden „sriih-sriih“-Rufen verbreiten Mauersegler dieses herrliche Sommerfeeling in den Städten. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu über 200 km/h jagen die Trupps durch die Häuserschluchten. Der rasante Flieger hat sich in Städten und zunehmend auch Dörfern als ein echter Kulturfolger angesiedelt, wo er unter Dächern und in Gebäudenischen geeignete Wohnstuben findet.

Mauersegler | Bild German-Kunst

Mauersegler | Bild German-Kunst

Nur zur Brut begibt sich der Mauersegler auf festen Boden. Die übrige Zeit seines Lebens verbringt er komplett in der Luft. Er frisst in der Luft, trinkt in der Luft, schläft in der Luft, betreibt Körperpflege in der Luft und vermag sogar die Paarung im Flug zu erledigen. Dank seiner sehr langen, sichelförmigen Flügel, einem kurze Schwanz und eines abgeflachten Kopfes bringt er die perfekten aerodynamischen Vorraussetzungen für das Leben in der Luft mit. Auf Grund seiner Wendigkeit kann er Insekten und Spinnen spielend aus der Luft fischen. Über ruhigem Wasser trinkt er während des Fluges oder nimmt ein Duschbad, indem er mit Hilfe des Schnabels das Wasser aufspritzt. Zum Schlafen steigt er auf in warme Luftschichten bis zu 3600 Meter. Dort schläft er in einer Art Gleitflug.

Der Körper des Seglers ist derart an das Leben in der Luft angepasst, dass er nur noch verkümmerte Klammerfüße hat um sich an den Nestern unter Gebäuden, oder wie ursprünglich, in Felsen und Klippen festzuhalten. Landet ein Mauersegler doch einmal auf dem Boden, ist er nur noch ein hilfloser Krabbler, da er kaum noch Laufen kann und auch der Start nur mit Mühe gelingt.

Messungen von mit Sendern bestückten Tieren haben ergeben, dass der Mauersegler in seinem bis zu 20 jährigen Leben etwa 4 Millionen Kilometer zurück legen kann oder 97 mal die Erde umkreist, oder er damit 10 mal mit zum Mond gelangen könnte. Schon unmittelbar nach dem Flügge werden ziehen die Jungvögel non-stop bis in den Süden Afrikas.

Bei diesen unglaublichen Leistungen erreicht der Puls des Mauerseglers bei Geschwindigkeiten von  200 km/h etwa 700 Schläge. Sein Blut ist wie ein Superkraftstoff: in 100 ml Blut können etwa 300 mg Blutzucker nachgewiesen werden, der Normwert beim Menschen beträgt 70-100 mg. Auch die Körpertemperatur des Mauerseglers liegt bei für uns tödliche 44 °C.

Mit all diesen Superlativen gehört der tollkühne Mauersegler zu den faszinierendsten Vögeln unserer Breiten.

Evolutionsbiologie 2.0

Montag, Mai 3rd, 2010

150 Jahre nach Darwins Begründung der Evolutionsbiologie wissen wir heute, das Lebewesen keine Effizienz-gesteuerten-Maschinen sind und auch die Natur nicht so nüchtern pragmatisch ist, wie bei Darwins „Survial of the fittest“ vermutet. Man schaue sich nur die manigfaltige Vielfalt an Muschelformen an die uns die Natur geschenkt hat oder die unendliche Palette an Farben im Vogelreich oder die Abermillionen von Blüten eines Kirchbaumes.

Koalabär schläft bis zu 20 Stunden  Foto: Gregor Czodrowski

Koalabär schläft bis zu 20 Stunden | Foto: Gregor Czodrowski

Dies alles existiert nicht aus rein funktionellen Gründen. Immer mehr spricht dafür, dass alle Organismen von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Schon einfache Zellen folgen Werten. Die darwinistische Vorstellung, alles Lebendige sei gleichsam mechanisch von einer egoistischen Gier beherrscht, versagt dieser Thesegegenüber immer häufiger.

Heute wissen wir, dass sich die einst als so messerscharf-kalkulierend angesehene Evolution einige Irrtümer geleistet hat. Es gibt Tierarten, die ganz offensichtlich gar nicht so perfekt zu ihrem Lebensraum passen – und trotzdem erfolgreich seit Jahrmillionen überleben.

Die Strumpfbandnatter Nordamerikas zum Beispiel bevorzugt aus einer Vielzahl möglicher Delikatessen ausgerechnet Molche, die extrem giftig sind. Dafür zahlt sie einen hohen Preis: Das Molchgift versetzt sie nach Vertilgung des Opfers in Zeitlupe, verlangsamt ihre ganzen Lebensabläufe. So betäubt wird das Raubtier selbst zum leichten Opfer. Was jedoch den Artbestand offenbar bislang nicht beeinträchtigt hat.

Koalabären wiederum machen sich mit ihrem erlesenen Geschmack das Leben ganz schön schwer: Nur Blätter bestimmter Eukalyptusbaumarten in bestimmtem Reifegrad verspeisen die australischen Kuscheltier-Gourmets. Das harte, faserige und energiearme Blattwerk können sie nur dank eines gigantischen Blinddarms, eines ständigen Wiederhochwürgens aus dem Magen in den Mundraum sowie einer ganz besonderen Mikroflora im Darm zu Brei zerkleinern. Weil diese kleinen Verdauungshelfer nicht angeboren sind, müssen junge Koalabären einen speziellen Kot ihrer Mutter fressen – als eine Art „probiotischen Joghurtdrink“. Ein enormer Aufwand für eine ökologische Nische. Kein Wunder, dass die armen Tiere bis zu 20 Stunden am Tag schlafen müssen.

Doch bei allen Beispielen wird deutlich: Evolution geht nicht immer gerade Wege, sondern öfter „um die Ecke“. Was für uns Menschen nicht immer Sinn macht. Aber durchweg erfreulich ist: Wer pfiffig oder ausdauernd ist, kommt auch als wenig angepasster Stromlinien-Evolutionär locker Millionen Jahre weiter. Niemand braucht perfekt zu sein, um zu überleben.

Erste Farbtupfer

Donnerstag, April 8th, 2010
Erste Farbtupfer

Erste Farbtupfer

Kaum ist der Schnee verschwunden blühen bereits ab Februar/März die ersten Blumen in unseren heimischen Wäldern, bevor der Frühling auch den Rest unserer Landschaft in ein zartes Grün hüllt. Teppiche der weissen bis violetten Blütenständen des Lerchensporns bedecken den noch kargen Waldboden. Auch zarte Schneeglöckchen, goldgelbes Scharbockskraut, farbige Krokusse und leuchtend weisse Buschwindröschen zaubern erste Farbtupfer in die Landschaft. Doch wo nehmen diese Pflanzen so schnell nach dem Winter ihre Kräfte für ein so explosionsartiges Wachstum her?

Ihre Überlebensstrategie liegt tief verborgen. Die Überdauerungsorgane gefinden sich in Form von Knollen, Zwiebeln und Rhizomen unterhalb der Erde. Solche Pflanzen nennt man Geophythen. Dort speichern sie über den Winter hinweg die angesammelten Nährstoffe der letzten Vegetationsperiode. Steigen die Temperaturen im Frühjahr über den Gefrierpunkt beginnt die Pflanze damit diese für das Wachstum freizusetzen. Neuerlicher Frost schadet ihnen nicht, führt nur zu einem kurzen Aussetzen des Wachstums. Somit nutzen Geophyhten das kurze Zeitfenster, in dem die Temperaturen schon hoch genug zum Wachstums sind, das Laub der Bäume aber noch nicht entwickelt ist und sie somit die volle Energie der Sonne zur Photosynthese nutzen können. Bereits im Mai schließen sie ihren Lebenszyklus ab und überdauern den Rest das Jahres unterirdisch.

Der wundersame Gesang der Zellen

Montag, März 1st, 2010

Vogelgesänge, Grillenzirpen, Walgesänge: Überall in der Natur ist Musik. Nun machten Forscher von der University of California in Los Angeles die Entdeckung, das sogar Zellen durch das Vibrieren ihrer Membrane Töne erzeugen.

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

"Singende" Hefezelle | Bild: Andrew Pelling

Von spitzen Schreien über dumpfes Grollen, schmatzende Laute oder leises Säuseln – Zellen können sehr musikalisch sein und besitzen ein ganzes Repertoire von Geräuschen. Mit Hilfe von Nanotechnologie fand man heraus, dass gesunde Hefezellen beispielsweise etwas vollbringen, woran Opernsänger regelmäßig scheitern: Mit ungefähr 1000 Schwingungen pro Minute schaffen sie locker ein hohes C oder D. Kommen sie mit Alkohol in Verbindung, geben sie einen grellen Laut in Cis und D von sich. Auch bei genmanipulierten Hefezellen ändert sich die Klangfarbe, absterbende Zellen brummen nur noch dumpf vor sich hin. Die Wissenschaftler benutzten dazu ein Rasterkraftmikroskop, mit dem man bisher nur Bilder der Zellen erstellt hat, wie den Tonarm eines Plattenspielers. Die Spitze des Mikroskops berührt, ähnlich wie eine Platten-Nadel, ganz leicht die Zelle und kann so ihre Vibrationen messen. Durch einen Computer werden dann die Geräusche, die durch die Vibration entstehen, verstärkt, so dass sie auch für das menschliche Ohr hörbar sind.

Nach dem Versuch mit Hefezellen experimentierten die Biochemiker auch mit Krebszellen. Da sich diese Zellen in ihrer Aktivität von gesunden unterscheiden, geben sie auch andere Töne von sich: Lärm, der wie ein schlecht eingestelltes Radio klingt. Mediziner hoffen nun, mit Hilfe des Klangs auf Basis dieser neuen Messmethode künftig kranke Zellen von gesunden unterscheiden und damit Krankheiten erkennen, oder sogar voraussagen zu können. Gerade in der Krebsforschung wäre dies ein revolutionärer Schritt, da man Krebszellen aufspüren könnte bevor die Krankheit ausbricht. Einen Namen für diesen neuen Wissenschaftszweig hat man auch schon gefunden: “Sonocytology”, die Erforschung der Zellgeräusche. Auch kulturell wird diese neue Entdeckung schon genutzt: die deutsche Medienkünstlerin Anne Niemetz lässt in Zusammenarbeit mit Chemikern Zellen in einem Multimedia-Konzert singen – Titel: “The Dark Side of the Cell” in Anlehnung an Pink Floyds “The Darkness of the Moon”.

Die hat doch ‘ne Meise, die Meise!

Donnerstag, Januar 28th, 2010
Kohlmeise | Bild von Daniel Montanus

Kohlmeise | Bild von Daniel Montanus

Ich bin großer Freund der virtuosen Gesänge unserer heimischen Singvogelelite, wie Heidelerche, Nachtigall oder Singdrossel. Stundenlang könnte ich dem abwechslungsreichen und wunderschön melancholischem Geflöte dieser Meistersänger lauschen und mich inspirieren lassen, so wie sie schon seit Urzeiten uns Menschen zum musizieren und dichten anleiteten. Doch gibt es auch Gesellen unter den gefiederten Freunden, deren  Gesang einfach nur als nervender Lärm deklariert werden kann. Wer kann schon dem Gekrächze einer Krähe etwas schönes abgewinnen. Ein Vogel hat es sich dabei bei mir besonders verscherzt: die Kohlmeise. Mit ihrem harten und lautem “zi-zi däh, zi-zi däh” hat sie mir schon so manches mal im Morgengrauen Schlaf und Nerv geraubt. Doch nicht nur ihr grässlich-penetranter „Gesang“ macht das so possierlich anmutenden Vögelchen zu einem echten Schurken. Verlogen und verdorben ist sie auch. So verscheuchen sie ihre Artgenossen mit vorgetäuschten Warnrufen. Das Futter bleibt ihnen somit allein. Oder sie singen mit „verstellter“ Stimme, um mehrere Reviere für sich zu beanspruchen und Neuankömmlingen vorzulügen, dass diese Reviere schon besetzt sein und ein so gewaltiger Wettbewerb hier herrsche das es gar nicht erst lohne sich hier niederzulassen. Auf ein stolzes Repertoire von 8 verschiedenen Gesängen bringen es die gewiften Trickdiebe dabei. Die Redensart „eine Meise haben“ geht übrigens auf einen alten und weit verbreiteten Volksglauben zurück, demzufolge Geistesgestörtheit durch Nisten von Tieren im Kopf verursacht wird. Auf nistende Vögel gehen auch ähnlichen Redensarten zurück, wie etwa „bei dir piept’s wohl“.

Schwarzer Peter oder harmloser Meistertaucher? Der Kormoran, Vogel des Jahres 2010

Montag, Januar 11th, 2010

Der Kormoran wurde zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Damit möchte man ein Zeichen für den Schutz Meisterfischers setzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu tausenden geschossen und vertrieben wird. Jedes Jahr werden 15.000 Kormorane getötet.

Kormoran | Bild von Fritz Berger

Kormoran | Bild von Fritz Berger

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) aus Deutschland so gut wie verschwunden – das Ergebnis intensiver Verfolgung durch Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund 24.000 Brutpaare. Berufsfischer und Angler versuchten jedoch, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. Doch Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen, damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben.

Die 80 bis 100 Zentimeter gro?en und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne gro?en Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Wei?fische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan. An Fischzuchtanlagen können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Fischteiche können beispielsweise durch das ?berspannen mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden..

Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen und erbeutet dabei pro Tag 300-500 Gramm Fisch. Im Gegensatz zu anderen Wasservögeln, deren Gefieder wasserabweisend eingefettet ist, müssen Kormorane ihr vollgesogenes Gefieder nach jedem Tauchgang von Wind und Sonne trocknen lassen um wieder flugfähig zu sein – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus.

In China und Japan wurden Kormorane früher zum Fangen von Fischen gezähmt. Auch heute wird die Kormoranfischerei mancherorts noch praktiziert. Ein Halsring verhindert das Schlucken der Fische, sie werden nach dem Fang auf dem Boot wieder ausgespuckt. Der Fischer zerteilt einzelne Fische für den hier als Haus- und Nutztier gehaltenen Vogel.

Kormorane nisten gewöhnlich in gro?en Kolonien auf Bäumen. Ihr saurer Kot führt rasch zu einem Absterben der Koloniebäume und prägt somit das charakteristische Koloniebild. Der Kormorankot, der Guano, wird mancherorts als natürlicher Kunstdünger gewonnen. Gro?e Kolonien produzieren über die Jahre Unmengen von Guano, der, da er aus den Resten der Fischmahlzeiten besteht, reich an für das Pflanzenwachstum wichtigen Elementen wie Stickstoff und Phosphor ist. Schon die Inka und andere südamerikanische Völker nutzten den Guano zur Steigerung des Ertrags in der Landwirtschaft. Vor allem von der Westküste Südamerikas wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Millionen Tonnen Guano nach Europa abtransportiert. Da nicht nur der Guano geborgen wurde, sondern auch Eier und Vögel zur Ernährung der Arbeiter herhielten, brachen die Bestände beinahe vollständig zusammen.

Sterntaucher, Gänsesäger und Co: Winterbesuch aus dem Norden

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Bei meinen heutigen Streifzügen durch das hiesige Unterholz konnte ich einige interessante Beobachtungen in unser vom Jahreszeitwechsel geprägten Vogelwelt machen.

Gänsesäger | Bild von Horst Engler

Gänsesäger | Bild von Horst Engler

Während viele unserer heimischen Brutvögel schon die Koffer gepackt und gen Süden gezogen sind, treffen nun viele Brutarten Nord- und Osteuropas bei uns ein, um hier die noch vorhandenen Nahrungsquellen zu nutzen und zu überwintern.

So konnte ich Beispielsweise einen wunderschönen Sterntaucher beobachten, der seinen Namen einem roten Halsfleck verdankt. Oder mehrere zu den Entenvögel zählende Gänsesäger, die mit ihrem säge-artigem Zackenschnabel hervorragende Fischer sind. Auch die ersten Fichtenkreuzschnäbel konnte ich bei ihrer emsigen Suche nach Fichtensamen beobachten, ihr überkreuzt stehender Schnabel ist dazu das perfekte Werkzeug. Sie kommen oft invasionsartig nach Mitteleuropa, wenn in ihren Habitaten Futterknappheit herrscht. Auf Grund ihrer hohen Spezialisierung auf Fichtensamen, haben sie auch im Winter einen reich gedeckten Gabentisch, weshalb winterliche Bruten selbst bei Minusgraden keine Seltenheiten sind.

Gleich mehrere Silberreiher entdeckte ich stolzierend und geduldig wartend im hohen Schilf. Diese großen, leuchtend weiss gefärbten Meisterfischer waren noch vor ein paar Jahren eine echte Seltenheit in unseren Breiten. Im Zuge der globalen Erwärmung kann man ihren grazilen Anblick nun aber regelmäßig vor unserer Haustür genißen. Am Ufer erspähte ich zwei echte Neubürger: Nilgänse. Diese bunten Wasservögel stammen, wie ihr Name verrät, aus Ägypten. Da sie in Europa als beliebte Ziervögel in Parks gehalten wurde, konnten sich in den letzten Jahrzehnten frei brütende Populationen bilden, die sich immer weiter ausdehnten, von den Niederlanden über den Rhein bis in die Schweiz und über die Donau bis nach Österreich. Solche tierischen Neubürger nennt man Neozoen.

Warum heißt der Buchstabe, Buchstabe?

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Vor seiner Besiedelung war Deutschland vorwiegend mit riesigen Rotbuchenwäldern überzogen. So stammt der Name meiner Heimat Westerwald vom germanischen und bedeutet so viel wie Buchenwald.

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist in unseren Gefilden der konkurrenzstärkste Baum und bildet in hiesigen Klimaten das Endstadium der natürlichen Sukzession! Ihre „Waffe“ gegenüber anderen Baumarten ist das extrem dicht stehende Laub ihrer weiten Kronen, weshalb nur wenige Prozent des photosynthese-tauglichen Sonnenlichtes auf den Waldboden treffen. Dadurch haben andere Baumarten kaum eine Chance zu keimen. Die Rotbuche selber ist aber in der Jugend relativ schattentolerant. In dichten Wäldern sterben die unteren Äste sterben aus Lichtmangel früh ab. Der Kronenansatz liegt hier häufig erst im obersten Drittel also in 10 bis 20 m Höhe. In Zusammenhang mit dem dichten Blätterdach entstehen so schattige Hallenwälder. Viele Kirchenschiffe, wie etwa das des Kölner Doms, sind dieser Struktur nachempfunden.

In diesen dichten Wäldern lebten einst die Germanen. Sie schnitzen Holzscheiter aus Buchenholz und ritzten dort ihre Schriftzeichen, die Runen, hinein. Diese Runenstäbchen (*boks) lies man auf den Boden fallen, um sie dann auf-„zulesen“ und als Orakel für wichtige Entscheidungen zu benutzen. Von diesen kultisch wichtigen Buchen-Stäben leitet sich das Wort Buchstabe ab. Das Wort Buch kommt vom althochdeutschen „buoh“, einer Holzschreibtafel aus Buche.