Spektivblick
Dominik Eulberg, mit allem was dazugehört.

Papageien in unseren Städten

     Eingetragen am Oktober 19th, 2011 von spektivblick

halsbandsittichIch liege entspannt im Stadtgarten Köln und genieße die Sonne des prächtigen Altweibersommers. Plötzlich vernimmt mein vogelstimmenkundiges Gehör unbekannte, exotische Rufe und ein Schwarm knallgrüner Papageien mit schmalen, spitzen Flügeln, langem Schwanz und kräftigem roten Schnabel jagt über mich hinweg. Papageien in Köln? Nein, dass ist keine Nachwirkung der Trübung meiner Sinne vom letzen Wochenende, sondern Realität des modernen Vogeldeutschlands.

Mehr als 6000 dieser Neubürger leben schätzungsweise derzeit in deutschen Städten, vermehrt im besonders milden Klimas entlang des Rheins in Städten wie Düsseldorf, Köln, Bonn, Mainz, Wiesbaden, Mannheim/Ludwigshafen, aber auch kleinere Schwärme in Stuttgart, Berlin oder Heidelberg. Ihren Namen verdanken die bis zu 45 cm groß werdenden Papageien einem charakteristischen dunklen Streifen um ihren Hals: Halsbandsittiche. Die ersten frei lebenden Vertreter dieser Art wurden in Deutschland 1965 beobachtet. Halsbandsittiche waren damals sehr beliebte Haustiere. Manche sind wohl einigen Züchtern entflohen, vielleicht auch aus Überdruss freigelassen worden. Seitdem vermehren sie sich prächtig in unseren Gefilden und der Klimawandel dürfte der Verbreitung förderlich sein. Ursprünglich sind die Sittiche in Afrika und Asien beheimatet. Dort leben sie bis in die enormen Höhenlagen des Himalajas, weshalb unsere Winter für sie keinerlei Problem darstellt.

Dass die Tiere vor allem mitten in großen Städten leben, ist nicht verwunderlich. Neben dem besseren Nahrungsangebot in den Stadtparks spielt auch das wärmere Mikroklima eine Rolle. Die Vögel schätzen zudem Straßenlaternen und menschlichen Lärm, denn solche Orte bieten Sicherheit vor Eulen.

Halsbandsittiche finden bevorzugt in Platanen geeignete Nistplätze. Meist beziehen sie hier verlassene Spechtbauten oder natürliche Baumhöhlen. Die Sittiche sind vorwiegend Vegetarier. Sie fressen im Frühjahr Knospen, Triebe, Blätter und knabbern an Blüten. Im Sommer und Herbst ernähren sie sich von Früchten und Samen. Sehr zum Ärger vieler Schrebergarten-Besitzer gehen die Sittiche sehr verschwenderisch mit ihrer Nahrung um und lassen nicht selten die Hälfte einfach auf den Boden fallen. Ein kleiner Apfelbaum ist so schon mal rasch abgeerntet. Im Winter finden sich genug Vogelfreunde, die den Sittichen mit Körnern, Erdnüssen oder Meisenknödeln über die Runden helfen. Auch wenn der Ornithologe ihnen eine „gewisse Durchsetzungsfähigkeit“ bescheinigt, negative Folgen für die heimische Vogelwelt sind noch nicht beobachtet worden. Zentraler Treff aller Halsbandsittiche aus einer Region ist ihr Schlafbaum, an dem sie sich allabendlich versammeln und der auch als „Heiratsbasar“ dient.

Neben den Halsbandsittichen gibt es mittlerweile etwa zehn verschiedene freilebende Papageienarten in deutschen Städten, wie die aus Südamerika stammenden Gelbkopfamazone, Blaustirnamazone und Mönchsittich und den aus Indien stammenden Großen Alexandersittich. Sie alle machen unsere Städte etwas bunter.

Rabenschwarze Intelligenz: Was wir von Krähen lernen können

     Eingetragen am Oktober 19th, 2011 von spektivblick
Rabenschwarze Intelligenz

Rabenschwarze Intelligenz

Raben und Krähen sind die intelligentesten Vögel: Sie schwindeln, unterscheiden Freund und Feind und passen sich erstaunlich gewitzt an die Menschenwelt an. Sie sind Singvögel, singen aber nicht und können die menschliche Stimme so täuschend ähnlich wie kein anderes Tier nachahmen. Der renommierte Zoologe und Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf beschreibt die Verhaltensweisen der cleveren Schwarzfedrigen und erzählt spannend und unterhaltsam, was er mit seinen eigenen Rabenvögeln erlebte.

Autor: Josef H. Reichholf
Verlag: Piper

Neophyten – Neulinge in der Pflanzenwelt

     Eingetragen am September 15th, 2011 von spektivblick

SpringkrautNeulinge sind in unserer Pflanzenwelt nichts Neues. So wanderten die meisten Pflanzen nach der letzen Eiszeit wieder neu nach Mitteleuropa ein. In der Jungsteinzeit brachte der Mensch mit dem Getreide auch Ackerwildkräuter hierher. Die Vegetation Mitteleuropas ist geprägt von ursprünglich nicht einheimischen Arten.

Besonders aber nach der Entdeckung Amerikas wurden viele gebietsfremde Arten bei uns eingeführt. Pflanzen die nach 1492 nach Europa eingeführt wurden nennt man Neophyten, was aus dem griechischen stammt und so viel wie „neue Pflanzen“ bedeutet. Sie wurden zum einen bewusst als Zier- oder Nutzpflanzen importiert. Zum anderen kamen etwa die Hälfte aller Neophyten unbeabsichtigt über Handelswege nach Europa, wie etwa über Saatgut, im Tierfutter oder als
blinde Passagiere auf Handelsschiffen. Nur wenige Neulinge können in unserem Klima selbständig dauerhaft überleben und noch weniger sind hier ausbreitungsstark. In Deutschland zählt man heute 328 fest eingebürgerte Pflanzenarten, von denen sich etwa 10-15 invasiv ausbreiten.

Neophyten sind zum Teil in ökologischer Hinsicht problematisch, da sie sich in der neuen Umgebung ohne Konkurrenten oder an sie angepasste Schadinsekten stark ausbreiten können, zu Monokulturen neigen und so grossflächig die ursprüngliche einheimische Vegetation verdrängen. Zu solch aggressiven Problempflanzen zählen etwa der Japanische Staudenknöterich aus Asien, die Kanadische Goldrute aus Nordamerika oder das Drüsige Springkraut aus Indien. Hohe Bekämpfungskosten können wirtschaftliche Schäden hervorrufen.

Einige gebietsfremde Pflanzenarten gefährden sogar die menschliche Gesundheit. Wie etwa der bis zu 4 Meter hochwerdende Riesen-Bärenklau. Der auch Herkulesstaude genannte Doldenblütler, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Er wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Wegen seines Blütenreichtums wurde der Riesen-Bärenklau als Trachtpflanze für Honigbienen empfohlen und in der freien Natur durch Imker ausgesät. Die Jäger brachten ihn als Deckungspflanze für das Wild aus und man war der Überzeugung mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können.

Der Saft des Riesen-Bärenklau enthält sogenannte phototoxisch wirkende Furocumarine. Wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen Hautentzündungen. Mögliche Folgen sind Juckreiz, Rötung, Schwellung und Blasenbildung. Diese können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen. Die Hautreizungen können wochenlang anhaltende nässende Wunden verursachen und mit anhaltenden Pigmentveränderungen einhergehen. Auch wenn die zackigen und behaarten Blätter einem schon signalisieren, dass man besser die Finger von ihr lassen sollte, genügt bei empfindlichen Menschen bereits ein einfacher Kontakt mit der Oberfläche der Blätter.

Problematisch ist beim Riesen-Bärenklau insbesondere, dass Kinder versucht sind mit diesen auffälligen und attraktiven Pflanzen zu spielen. Wie verführerisch die Pflanzen als Spielzeug sind, zeigen einige Vergiftungsfälle, bei denen Kinder anschließend stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Kinder hatten zuvor die Stängel als Schwerter in Ritterspielen verwendet, sie als Blasrohr oder Fernrohr benutzt oder sich zwischen den Blättern versteckt.

Nach Kontakt mit Teilen der Pflanze kann es hilfreich sein, schattige Orte aufzusuchen und die betroffenen Kontaktstellen mit Wasser und Seife zu reinigen. Es ist zu empfehlen, nach einem Hautkontakt mit der Pflanze einen Arzt aufzusuchen.

Unter Zeiten

     Eingetragen am September 15th, 2011 von spektivblick

Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stießen auf Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann)
Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur.

(Christian Morgenstern 1871-1914)

Buchtipp des Monats September: Kosmos Himmelsjahr 2012: Sonne, Mond und Sterne im Jahreslauf

     Eingetragen am September 15th, 2011 von spektivblick
Kosmos Himmelsjahr 2012

Kosmos Himmelsjahr 2012

Kosmos Himmelsjahr 2012: Sonne, Mond und Sterne im Jahreslauf

Das Jahr 2012 bietet ein besonderes Himmelsereignis: Zum letzten Mal für die nächsten 100 Jahre tritt der Planet Venus vor die Sonne. Kein Sternfreund wird sich das entgehen lassen. Über dieses und viele spannende Themen berichtet das “Kosmos Himmelsjahr” übersichtlich und leicht verständlich. So erfährt man zum Beispiel, wann die Sonne aufgeht, welche Mondphase gerade herrscht und wo die Planeten zu finden sind. Die beliebten Monatsthemen erläutern astronomische Phänomene und gehen auch auf aktuell diskutierte Fragen ein. Das Top-Thema in diesem Jahr ist: Ist die Sonne schuld am Klimawandel?

Autor: Hans U. Keller
Verlag: Kosmos

Weltmacht Insekten

     Eingetragen am August 24th, 2011 von admin
Weltmacht Insekten

Weltmacht Insekten

Seit mehr als 400 Millionen Jahren bevölkern sie unsere Erde und werden dies wohl auch bis an ihr Ende tun. So erfolgreich wie Ameisen, Käfer, Fliegen und Co ist sonst niemand auf unserem Planeten. Mehr als 80 Prozent aller Tierarten sind Insekten. Ob Wüste, Hochgebirge, Ozean oder Antarktis, es gibt keine ökologische Nische die sie nicht erobert haben. Es gibt Schätzungsweise eine Trillionen Insekten, 143 Milliarden mal mehr Individuen als Menschen auf der Erde. Würde man eine gigantische Waage bauen, alle Insekten der Erde auf eine Seite packen und alle anderen Lebewesen auf die andere, so währen Ameisen, Schmetterlinge und Kollegen tatsächlich schwerer als Elefanten, Wale und Konsorten.

Für den enormen Erfolg der Insekten kann man mehrere Eigenschaften verantwortlich machen. Zum Einen haben sie eine sehr festes Außenskelett, den Chitinpanzer, welcher die Insekten verhältnismäßig zur Größe sehr kräftig macht und sie vor dem Austrocknen schütz. Zum Anderen ermöglicht ihre geringe Körpergröße in Lebensräume vorzustoßen, die für Wirbeltiere unzugänglich sind. Auch mit Futterknappheiten kommen sie besser zurecht, da sie einen sehr geringen Energieverbrauch haben. Insekten waren die ersten Lebewesen die sich den Luftraum zu Nutze machten. Durch diese Fähigkeit können sie sich über weite Strecken verbreiten und vor bestimmten Problemen einfach fliehen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der kleinen Krabbeltiere ist, dass sie sich schnell fortpflanzen können. Einige Insekten können bei günstigem Klima und guten Nahrungsverhältnissen sich innerhalb weniger Wochen vertausendfachen. Auch ihr vielfältiges Nahrungsspektrum wird ihnen zum Vorteil. Viele Insekten sind Allesfresser und verspeisen alles von Pflanzen und Fleisch über Aas bis hin zu Kot.

Im Laufe der Evolution haben sich bei den sechsbeinigen Wesen einige verblüffende Kuriositäten entwickelt. Wie etwa bei den Schmetterlingen. So gibt es Arten mit „gläsernen“ Flügeln. Hierbei sind die Flügelschuppen so klein, dass das Sonnenlicht hindurch scheint und die Flügel durchsichtig wirken. Dies hat den Vorteil, dass Fressfeinde die Falter nur schwer ausfindig machen können. Manche Schmetterlingsraupen haben eine Musterung und „Scheinaugen“ wie die einer Schlange, mit denen sie Fressfeinden das Fürchten lehren. Andere Schmetterlinge imitieren giftige Artgenossen oder andere gefährliche Insekten. Wie etwa der Hornissenschwärmer, der einer Hornisse zum verwechseln ähnlich sieht, aber völlig harmlos ist. Mimikry nennt man dieses Tarnverhalten ungiftiger Arten, mit der Absicht das Fressfeinde die Finger von den vermeintlich giftigen Tieren lassen.

Das größte lebende Insekt ist eine Stabheuschrecke mit einer Gesamtkörperlänge von bis zu 60 Zentimetern. Kaum ein Fressfeind traut sich an solch ein großes Tier heran, weshalb sie Ihre Tarnung als dünnen Ast eigentlich gar nicht nötig hätte. Die kleinsten bekannten Arten sind Vertreter der zu den Käfern gehörenden Federflügler sowie Erzwespen mit Körperlängen von nur 0,2 Millimetern. Die kürzeste Lebensdauer im Insektenreich haben Eintagsfliegen. Die Tiere schlüpfen mit funktionslosen Beisswerkzeugen, mit denen sie keinerlei Nahrung aufnehmen können. Ihr kurzes Dasein dient lediglich der sofortigen Paarung und Eiablage. Weiblichen Eintagsfliegen bleibt dazu gerade mal 5 Minuten!

Die größte Extravaganz im Körperbau hat Mutter Natur aber wohl den tropischen Buckelzirpen geschenkt. Hier scheint die Natur Humor gehabt zu haben, denn die Zirpen tragen pompöse Rückenschilde oder ähnliche Auswüchse. Zum Teil sehen sie aus wie ein Hubschrauber auf Beinen, ein Hirsch mit Flügeln oder Darstellungen von Ur-Atomen. Andere Arten tragen kugelähnliche Gebilde an einem sternartigen Auswuchs auf einer Art “Antenne”. Manch eine Buckelzirpenart sieht gar aus wie ein Stück Holz oder ein Klumpen Dreck, so sind sie bestens getarnt.

Auf dem See

     Eingetragen am August 24th, 2011 von admin

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug’ ich aus freier Welt’
Wie ist Natur so hold und gut,
die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig, himmelan,
Begegnen unserm Lauf.

Aug’, mein Aug’, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist;
Hier auch Lieb’ und Leben ist.

Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne;
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reife Frucht.

(Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832))

Buchtipp des Monats August: Brehms Tierleben.

     Eingetragen am August 24th, 2011 von admin
buchtipp-1107

Brehms Tierleben. Die schönsten Tiergeschichten, ausgewählt von Roger Willemsen | Autor: Alfred E. Brehm | Verlag: Fischer

Die schönsten Tiergeschichten,

ausgewählt von Roger Willemsen

Vor über hundert Jahren hat Brehm seinen Weltbestseller geschrieben. Aber kann man seine Tiergeschichten heute überhaupt noch lesen? Man kann. Denn was und vor allem wie Brehm über Affen und Waschbären, Nilpferde und Pinguine, Blindschleichen und Stubenfliegen schreibt, das ist außerordentlich. Genaue Beobachtung und persönliche Erlebnisse, zusammen mit Veröffentlichungen anderer Naturwissenschaftler und Historiker bilden die Grundlage seiner Betrachtungen. Und die präsentiert er sowohl mit Begeisterung als auch in einer bilderreichen, oft sogar poetischen Sprache.

Doch was an Brehm begeistert, stößt manchmal auch ab: seine nicht objektiv-distanzierte, sondern sehr persönliche Art der Beschreibung. Brehm scheut sich nicht, Tieren menschliche Charaktereigenschaften zuzusprechen und aus ihrem Verhalten und Aussehen zuweilen merkwürdige Schlüsse zu ziehen. Doch im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen vertrat er oftmals auch sehr moderne Theorien, die sich aus seiner enormen eigenen Erfahrung mit den Tieren speiste. Natürlich entsprechen viele von Brehms Beschreibungen und Schlussfolgerungen nicht dem heutigen Stand der Wissenschaft. Dafür sind sie aber auch als historische Dokumente interessant. So erfahren wir beispielsweise, dass zu Brehms Zeit Makaken in Zoos und Tierschauen weit verbreiten waren oder dass das Alpenmurmeltier gern und oft wegen seines Fleisches und wegen der angeblich heilenden Kräfte von Fett und Fell gejagt wurde.

Mit über 200 Ausgaben und Übersetzungen in unzählige Sprachen ist “Brehms Tierleben” nicht nur ein Klassiker unter den wissenschaftlichen Büchern — nein, es ist der Klassiker schlechthin. Warum dann eine weitere Ausgabe mit ausgewählten Tiergeschichten aus diesem Werk? Weil es sich auch heute noch lohnt, Brehms außergewöhnliche Tierbeobachtungen und -beschreibungen zu lesen. Zumal wenn sie, wie hier, von Roger Willemsen zeitgemäß betrachtet und kommentiert werden. Und wenn sie so bestechend schön und zugleich “brehmsch” illustriert werden, wie es wohl nur der vielfach ausgezeichnete Klaus Ensikat kann.

Autor: Alfred E. Brehm
Verlag: Fischer

Warum Musik uns glücklich macht…

     Eingetragen am Juli 14th, 2011 von admin
Warum Musik uns glücklich macht

Warum Musik uns glücklich macht

Musik ist älter als Sprache.

Wir wissen heute, dass beim Musizieren der älteste Teil unseres Hirns, das Großhirn aktiv ist. Beim Sprechen hingegen nur ein jüngerer Seitenlappen. Wir haben ein Stimmorgan, was es uns ermöglicht über 3 bis 4 Oktaven Töne von uns zu geben, zum sprechen brauchen wir aber gerade einmal eine. Schlaganfallpatienten können häufig nicht mehr sprechen, aber noch musizieren. Dies alles sind Indizien darauf, dass der Mensch schon musizierte bevor er die Sprache entwickelte. Emotionen und Gefühle wurden mit Tonfolgen aus dem Kehlkopf mitgeteilt, ähnlich wie Tiere das heute noch machen. Vereinfacht gesagt: Traurigkeit wurde in Moll-Tonfolgen mitgeteilt, Freude in Dur.

Heute besitzen wir zwar eine hoch-komplexe Sprache und modernste Kommunikationskanäle wie Handy, E-Mail und Internet, doch verstehen wir diese Botschaften immer noch. Dieses tonale Langzeitgedächtnis ist auch heute noch der Grund warum manche Musik uns glücklich und manche Musik uns traurig macht. Diese Wahrnehmung ist so in unsere Gene übergegangen, dass sogar Menschen die nie Kontakt zur westlichen Musik hatten, diese Botschaften verstehen.

Ein weiteres Beispiel für unser evolutionäres Langzeitgedächtnis der Töne ist das Geräusche was entsteht wenn man mit einer Gabel über einen Teller kratzt oder Kreide an der Tafel abbricht. Es stellen sich uns die Nackenhaare auf und ein Gefühl des Unbehagens tritt ein. Der Grund dafür liegt weit zurück: als der Mensch noch in Wäldern und Savannen lebten, gab es eine Affenart die bei Gefahr durch Raubtiere ein Geräusch absonderte welches diesem der kratzenden Gabel sehr ähnelt. Der Mensch wurde darauf konditioniert: Gefahr, aufpassen und in Fluchtstellung gehen!

Musik kann zu dem als sozialer Klebstoff unserer Gesellschaft angesehen werden. Durch das gemeinsame singen und musizieren wurde und wird das Gruppengefühl gestärkt, die Basis unserer Gesellschaft. Sogar die Gehirnwellen der Musizierenden schwingen im Gleichklang. Unser Körper belohnt dies mit Ausschüttungen des Glückshormons Endorphin und Dopamin. Nach einer Weile kommen noch Serotonin und Noradrenalin hinzu, die eine antidepressive Wirkung haben. Auch geringere Mengen des Stresshormons Cortisol werden produziert. Musizieren entspannt, bringt die Emotionen ins Gleichgewicht, macht wacher und aufmerksamer, glücklicher. Zudem kommt es zur einer Bildung von Abwehrstoffen, die zu einer Stärkung des Immunsystems führen.

Auch das Gefühl und die Freude für Rhythmus ist etwas was uns allen inne wohnt. So findet man auf der ganzen Welt Kulturen die alle unabhängig voneinander dem 4/4 Takt frönen. Die Freude an diesem monotonen Rhythmus auf den man sich stundenlang bewegen möchte rührt wohl daher, dass wir im Mutterleib als erstes den gleichförmigen Herzschlag der Mutter hören. Der gerade Rhythmus erinnert uns also an eine ganz ursprüngliche Glückseligkeit.

Gartenarbeit

     Eingetragen am Juli 14th, 2011 von admin

Ich sense das Gras
aus Spaß.
Ein Laubfrosch verweilt.
Zerteilt.
Zwei Augen schau’n mich traurig an.
Ich sag, ich bin der Sensemann.

Johann König