Der Ameisenlöwe
Freitag, September 3rd, 2010Bei meiner heutigen Wanderung durch die wunderschöne Lüneburger Heide, konnte ich vielerorts merkwürdige, kreisförmige Trichter im Sand entdecken. Bei genauer Betrachtung erspähte ich zwei gefährlich anmutende Zangen am Grund des Bauwerkes. Sie gehören einem skurrilen Wesen: dem Ameisenlöwen, der, nebenbei bemerkt, den Titel Insekt des Jahres 2010 trägt.
Der Ameisenlöwe ist eine räuberische Insektenlarve, die Ameisen und andere kleine Tiere mit einer verblüffenden Methode fängt: Er baut im sandigen Boden raffiniert-konstruierte Trichterfallen. Wenn Beute dort hineinläuft, kommt sie nicht wieder heraus, weil sie mit dem lockeren Sand der steilen Trichterhänge zum Grund rutscht. Dort wartet eingebuddelt der Ameisenlöwe mit seinen kräftigen Kieferzangen und injiziert ein lähmendes Gift. Versucht ein Beutetier zu fliehen, so bewirft der Ameisenlöwe das Opfer mit gezielten Sandwürfen, die das Abrutschen fördern.
Die bräunlichen Killer-Larven häuten sich zweimal, bis sie sich im Sand in einen Kokon einspinnen und verpuppen. Die gesamte Entwicklung dauert etwa zwei Jahre. Im Sommer schlüpft das erwachsene Tier, das wie so häufig bei Insekten ganz anders als die Larve aussieht. Die sogenannte Ameisenjungfer ähnelt einer Libelle, unterscheidet sich aber auf Anhieb durch ihre längeren Fühler.
Zum Trichterbau braucht der Ameisenlöwe höchstens eine halbe Stunde. Dazu gräbt er erst einen runden Graben, den er weiter nach innen vertieft, indem er mit seinen Zangen den Sand bis zu 30 Zentimeter weit wirft. Der Trichter muss so steil sein, dass der lockere Sand sich sofort in Bewegung setzt, wenn ein Insekt darauf tritt.
Die Vorstellung eines in unwirtlicher Umgebung im Sand verborgenen Lauerjägers hat schon in der der Antike und im Mittelalter die Phantasie der Menschen angeregt. So finden sich zahlreiche Mythen aus dieser Zeit und gar biblische Erwähnungen. In heutiger Zeit sind es Film-Monster, deren Entstehung gelegentlich durch Ameisenlöwen inspiriert wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der Sarlacc in Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter, ein uraltes menschenfressendes Monster, das in einem Trichter eingegraben in der Wüste lebt und nach außen nur sein zahn- und tentakelbewehrtes Maul zeigt. Neben weiteren „Hollywood“-Auftritten ist das Insekt auch Inspirationsquelle für Charaktere vieler Computerspiele, wie etwa Final Fantasy oder Pokémon.
