Die hat doch ‘ne Meise, die Meise!
Donnerstag, Januar 28th, 2010Ich bin großer Freund der virtuosen Gesänge unserer heimischen Singvogelelite, wie Heidelerche, Nachtigall oder Singdrossel. Stundenlang könnte ich dem abwechslungsreichen und wunderschön melancholischem Geflöte dieser Meistersänger lauschen und mich inspirieren lassen, so wie sie schon seit Urzeiten uns Menschen zum musizieren und dichten anleiteten. Doch gibt es auch Gesellen unter den gefiederten Freunden, deren Gesang einfach nur als nervender Lärm deklariert werden kann. Wer kann schon dem Gekrächze einer Krähe etwas schönes abgewinnen. Ein Vogel hat es sich dabei bei mir besonders verscherzt: die Kohlmeise. Mit ihrem harten und lautem “zi-zi däh, zi-zi däh” hat sie mir schon so manches mal im Morgengrauen Schlaf und Nerv geraubt. Doch nicht nur ihr grässlich-penetranter „Gesang“ macht das so possierlich anmutenden Vögelchen zu einem echten Schurken. Verlogen und verdorben ist sie auch. So verscheuchen sie ihre Artgenossen mit vorgetäuschten Warnrufen. Das Futter bleibt ihnen somit allein. Oder sie singen mit „verstellter“ Stimme, um mehrere Reviere für sich zu beanspruchen und Neuankömmlingen vorzulügen, dass diese Reviere schon besetzt sein und ein so gewaltiger Wettbewerb hier herrsche das es gar nicht erst lohne sich hier niederzulassen. Auf ein stolzes Repertoire von 8 verschiedenen Gesängen bringen es die gewiften Trickdiebe dabei. Die Redensart „eine Meise haben“ geht übrigens auf einen alten und weit verbreiteten Volksglauben zurück, demzufolge Geistesgestörtheit durch Nisten von Tieren im Kopf verursacht wird. Auf nistende Vögel gehen auch ähnlichen Redensarten zurück, wie etwa „bei dir piept’s wohl“.
