Spektivblick
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Warum heißt der Buchstabe, Buchstabe?

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Vor seiner Besiedelung war Deutschland vorwiegend mit riesigen Rotbuchenwäldern überzogen. So stammt der Name meiner Heimat Westerwald vom germanischen und bedeutet so viel wie Buchenwald.

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Buchstaben | Bild von Balmer Bernhard

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist in unseren Gefilden der konkurrenzstärkste Baum und bildet in hiesigen Klimaten das Endstadium der natürlichen Sukzession! Ihre „Waffe“ gegenüber anderen Baumarten ist das extrem dicht stehende Laub ihrer weiten Kronen, weshalb nur wenige Prozent des photosynthese-tauglichen Sonnenlichtes auf den Waldboden treffen. Dadurch haben andere Baumarten kaum eine Chance zu keimen. Die Rotbuche selber ist aber in der Jugend relativ schattentolerant. In dichten Wäldern sterben die unteren Äste sterben aus Lichtmangel früh ab. Der Kronenansatz liegt hier häufig erst im obersten Drittel also in 10 bis 20 m Höhe. In Zusammenhang mit dem dichten Blätterdach entstehen so schattige Hallenwälder. Viele Kirchenschiffe, wie etwa das des Kölner Doms, sind dieser Struktur nachempfunden.

In diesen dichten Wäldern lebten einst die Germanen. Sie schnitzen Holzscheiter aus Buchenholz und ritzten dort ihre Schriftzeichen, die Runen, hinein. Diese Runenstäbchen (*boks) lies man auf den Boden fallen, um sie dann auf-„zulesen“ und als Orakel für wichtige Entscheidungen zu benutzen. Von diesen kultisch wichtigen Buchen-Stäben leitet sich das Wort Buchstabe ab. Das Wort Buch kommt vom althochdeutschen „buoh“, einer Holzschreibtafel aus Buche.